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08.01.2013  16:22 Uhr

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USA: Tamiflu ab Alter von zwei Wochen

 

PZ / Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat die Zulassung des Oseltamivir-haltigen Präparates Tamiflu® um die Behandlung akuter, komplikationsloser Grippeinfektionen bei Säuglingen ab dem Alter von zwei Wochen erweitert. Das gab Hersteller Roche bekannt. Die FDA- Zulassung basiert auf zwei offenen pharmakokinetischen Studien, in denen bei 136 an Grippe erkrankten Säuglingen im Alter unter einem Jahr untersucht wurde, wie Oseltamivir aufgenommen und im Körper verteilt wird. Diesen Studien zufolge dürfte eine zweimal tägliche Gabe von 3 mg/kg Oseltamivir über fünf Tage für die behandelten Säuglinge ähnlich sicher und wirksam sein wie die Behandlung älterer Kinder und Erwachsener mit dem Neuraminidasehemmer. In Deutschland ist Oseltamivir zur Therapie der Influenza und zur Postexpositions-Prophylaxe ab einem Alter von einem Jahr zugelassen. Während eines pandemischen Influenzaausbruchs ist es zudem für die Grippe-Behandlung beziehungsweise Postexpositions-Prophylaxe von Säuglingen unter einem Jahr indiziert. In der deutschen Fachinformation heißt es: »Für Säuglinge im Alter von unter einem Jahr liegen begrenzte Daten zur Pharmakokinetik und Sicherheit vor. Es wurde eine sogenannte pharmakokinetische Modellierung durchgeführt, wobei außer diesen Daten auch Daten aus Studien mit Erwachsenen, Kleinkindern und Kindern im Alter von einem Jahr oder älter verwendet wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass eine Dosierung von 3 mg/kg zweimal täglich bei Säuglingen im Alter von drei bis zwölf Monaten und 2,5 mg/kg zweimal täglich bei Säuglingen im Alter zwischen einem und drei Monaten zu einer ähnlichen Verfügbarkeit führt, wie sie sich bei Erwachsenen, Kleinkindern und Kindern im Alter von einem Jahr oder älter als wirksam erwiesen hat. Es liegen momentan keine Daten zur Anwendung von Tamiflu bei Säuglingen unter einem Monat vor.« Gut möglich, dass nach der Bekanntgabe der neuen Studienergebnisse und der FDA-Entscheidung demnächst auch der Text in der deutschen Fachinformation geändert werden kann. Auf Nachfrage der PZ teilt Roche mit, dass geplant ist, das Präparat auch in der EU für Säuglinge ab einem Alter von zwei Wochen zuzulassen. Zeitlich könne man allerdings noch keine genauen Angaben machen.

 

Metformin: Wirkmechanismus aufgeklärt

 

PZ / Obwohl das Biguanid Metformin seit vielen Jahrzehnten als Antidiabetikum eingesetzt wird, war sein Wirkmechanismus bislang nicht vollständig verstanden. Wie US-amerikanische Forscher jetzt berichten, hindert der Wirkstoff das Hormon Glucagon daran, ein wichtiges Signalmolekül zu bilden, und stoppt somit die Gluconeogenese in der Leber. Ihre Ergebnisse publizieren die Wissenschaftler um Morris J. Birnbaum im Fachjournal »Nature« (doi: 10.1038/nature11808). In den vergangenen zehn Jahren ging man davon aus, dass Biguanide das Enzym AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK) aktivieren, das daraufhin anabole Prozesse wie die Gluconeogenese hemmt. Neuere Untersuchungen zeigten jedoch, dass die Lebern von Mäusen, in denen das Gen für AMPK ausgeschaltet war, trotzdem auf Metformin ansprachen. Birnbaum und seine Kollegen suchten daher nach einem anderen Ansatzpunkt für den Wirkstoff und nahmen die Glucagon-Kaskade genauer unter die Lupe. Das Hormon bindet an seinen Rezeptor auf Leberzellen, aktiviert darüber das Enzym Adenylyl-Cyclase, das cyclisches AMP produziert (cAMP). Das Signalmolekül stimuliert das Enzym Proteinkinase A (PKA), das verschiedene Zielenzyme phosphoryliert, die zusammen die Glucosebildung der Leber erhöhen. In Experimenten mit Mäusen fanden die Forscher heraus, dass Metformin diesen Signalweg von Glucagon direkt am Anfang stört. Es erhöht die intrazelluläre Konzentration von AMP, einem Inhibitor der Adenylyl-Cyclase, der somit die Bildung von cAMP stoppt: Die Gluconeogenese bleibt aus. Wie Metformin die intrazelluläre AMP-Konzentration erhöht, schreiben die Forscher nicht. Sie hoffen, dass die Adenylyl-Cyclase ein neues Target für die Entwicklung neuer Antidiabetika darstellen könnte, die möglicherweise noch weniger Nebenwirkungen als Metformin hätten.

 

Lipidsenker Tredaptive: EMA rät von Einsatz ab

 

PZ / Nach enttäuschenden vorläufigen Ergebnissen einer großen Studie mit dem Lipidsenker Tredaptive® rät die europäische Arzneimittelagentur EMA davon ab, Patienten neu auf das Präparat einzustellen. Hersteller MSD hatte die Behörde zuvor darüber informiert, dass die sogenannte HPS2-THRIVE-Studie, in der die Kombination aus Tredaptive und einem Statin mit einer Statin-Monotherapie verglichen wurde, ihren primären Endpunkt nicht erreicht hatte. Schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse wie Herz-Kreislauf-Todesfälle, nicht tödliche Herzinfarkte oder Schlaganfälle traten unter Tredaptive plus Statin nicht seltener auf als unter Statin. Einige, vom Hersteller in einer Pressemitteilung nicht näher spezifizierte »nicht tödliche schwerwiegende Nebenwirkungen« traten im Tredaptive-Arm der Studie aber signifikant häufiger auf. Patienten, die auf Tredaptive eingestellt sind, sollen das Präparat nicht plötzlich absetzen, sondern das weitere therapeutische Vorgehen bei ihrem nächsten Besuch mit ihrem Arzt besprechen, rät die EMA. Die Behörde will die von MSD vorgelegten Daten jetzt selbst auswerten und Ende Januar eine Empfehlung aussprechen. Tredaptive ist eine Fixkombi aus 1000 mg Nicotinsäure (Niacin) und 20 mg Laropiprant. Es ist indiziert zur Behandlung von Patienten mit Fettstoffwechselstörungen, bei denen ein Statin nicht ausreichend wirksam ist. /

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