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Altersforschung

Ausdauersport hält Zellen jung

Ausdauertraining vermindert die zelluläre Alterung. Das zeigt eine Studie von Kardiologen des Universitätsklinikums Leipzig, die nun im »European Heart Journal« erschien. Demnach regt Ausdauersport und Hochintensitäts-Intervalltraining die Telomerase-Aktivität an und verlängert die Telomere. Reines Krafttraining hat diesen Effekt nicht.
Christina Hohmann-Jeddi
29.11.2018
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Die Chromosomen-Endkappen (Telomere) gelten als ein Marker für zelluläre Alterungsprozesse, da sie sich bei jeder Zellteilung ein Stück verkürzen, weshalb die Zahl der Zellteilung begrenzt ist. Wird eine kritische Länge unterschritten, gehen die Zellen in Apoptose oder in einen seneszenten Zustand über. Das Enzym Telomerase kann die Schutzkappen auf den Chromosomen wieder verlängern, es ist bei mehrzelligen Organsimen allerdings nur in Keimzellen, Stammzellen, Zellen des Immunsystems und Krebszellen aktiv.

Um zu sehen, welchen Effekt verschiedene Trainingsformen auf die Telomeren haben, untersuchten die Forscher um Professor Dr. Ulrich Laufs 266 gesunde Probanden ohne vorherige Sporterfahrungen. Die Studienteilnehmer waren im Durchschnitt etwa 50 Jahre alt und wurden auf vier Gruppen randomisiert, in denen sie über sechs Monate (jeweils dreimal 45 Minuten pro Woche) entweder ein Ausdauer-, ein Hochintensitäts-Intervall- oder Krafttraining absolvierten beziehungsweise als Kontrolle weiterhin inaktiv blieben. Vor und nach der Studie erfolgten Belastungstests und Blutentnahmen zur Isolation von Blutzellen. In diesen wurde die Telomerlänge und Telomerase-Aktivität untersucht.

Durch das Training stieg die Telomerase-Aktivität in der Ausdauer- und der Intervalltraining-Gruppe im Vergleich zur Kraftsport und Kontrollgruppe um das Zwei- bis Dreifache an und die Telomerlänge nahm signifikant zu. »Unsere Ergebnisse zeigen, dass durch gezieltes Training ein eindeutiger positiver Vorsorge-Effekt erzielt werden kann«, sagt Laufs in einer Pressemitteilung der Uni Leipzig. Gerade die kardiovaskuläre Zellalterung könne günstig beeinflusst werden, zudem könnte auf der Basis telomerabhängiger Parameter die zelluläre Antwort auf ein Training gemessen und gesteuert werden. Laufs: »Unseren Patienten können wir also künftig auf der Basis dieser Ergebnisse mit Blick auf die Herzgesundheit klar raten: Krafttraining kann eine Ergänzung zum Ausdauertraining sein, aber kein Ersatz.«

DOI: 10.1093/eurheartj/ehy585

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