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Alzheimer-Studie

Aus für Aducanumab in Phase III

Der monoklonale Antikörper Aducanumab versprach die erste Therapieoption des Morbus Alzheimers im Frühstadium zu werden. Nun führte eine mangelnde Wirksamkeit zum Abbruch zweier Phase-III-Studien, gab die Firma Biogen am Donnerstag bekannt.
Caroline Wendt
22.03.2019
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Eine Zwischenauswertung der Ergebnisse hatte ergeben, dass die Studien ihre primären Endpunkte – die Verlangsamung des kognitiven und funktionellen Abbaus im Vergleich zu Placebo – wahrscheinlich nicht erreichen werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Diese Erkenntnis habe den Hersteller Biogen dazu veranlasst, die Studien mit mehr als 3.200 Probanden abzubrechen.

»Für die Alzheimer-Forschung ist das ein herber Rückschlag, da es sich um ein bis dato vielversprechendes Medikament handelt, das bei positivem Verlauf bereits 2023 auf dem Markt verfügbar gewesen wäre«, kommentierte Professor Dr. Richard Dodel, Neurologe an der Universität Duisburg-Essen, den Studienabbruch. Eine Phase-II-Studie, publiziert im September 2016 im Fachjournal »Nature«, habe darauf hingedeutet, dass Aducanumab das Fortschreiten der neurodegenerativen Erkrankung verhindern kann. Der Antikörper sollte lösliche Oligomere und Ablagerungen von fibrillärem β-Amyloid binden und zudem eine gute ZNS-Permeabilität vorweisen.

Warum der Antikörper in den aktuellen Phase-III-Studien (ENGAGE und EMERGE) keine Wirkung zeigte, ist noch nicht bekannt, da die Studiendaten noch nicht öffentlich sind. Gemäß der Mitteilung der DGN gebe es zurzeit drei Hypothesen: Es sei möglich, dass die Alzheimer-Erkrankung bei den Probanden der Phase-III-Studien bereits zu weit fortgeschritten war, Aducanumab jedoch nur in sehr frühen Krankheiten eine positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf zeigen würde. Weitere Möglichkeiten seien, dass die Amyloid-Theorie nicht stimmt oder dass der Antikörper nicht die Hauptform des Amyloids abbaut.

»Die Offenlegung der Daten wird zeigen, welche der Hypothesen sich bestätigt und wir werden daraus lernen und die Erkenntnisse für weitere Forschungsaktivitäten nutzen«, so Dodel. Auch eine gescheiterte Studie sei immer von Nutzen.

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