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Gesundheits-Apps

Auf Symptom-Checker ist zu wenig Verlass

Ich schildere dir meine Symptome und du sagt mir, was ich habe – das ist das Prinzip von sogenannten Symptom-Checkern. Ein österreichisches Institut kommt zu dem Schluss, dass zu wenig Evidenz vorliegt, um die Anwendung dieser Art von Gesundheits-Apps zu empfehlen.
Daniela Hüttemann
13.12.2021  14:00 Uhr

Das Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA) hat untersucht, unter welchen Voraussetzungen Sozialversicherungsträger die Kosten für die Nutzung von Symptom-Checkern übernehmen sollten. Die Überprüfung ergab jedoch, dass bislang kein Nachweis des Nutzens dieser Apps erbracht werden konnte, heißt es in einer Pressemitteilung des Instituts, einem akademischen Non-Profit-Institut. Studienleiter Dr. Reinhard Jeindl warnt sogar: »Diese Apps sind mit Vorsicht zu verwenden.«.

Symptom-Checker-Apps funktionieren über einen Chatbot. Dieser stellt Fragen, die der Nutzer beantwortet, woraufhin genauer spezifiziert wird und letztlich mögliche Diagnosen und Maßnahmen herauskommen. »Wer etwa an Kopfschmerzen leidet, gibt auf einer Eingabemaske Alter und Geschlecht ein und wird anschließend von einem Chat-Bot gefragt, wie lange beispielsweise die Kopfschmerzen schon dauern oder ob gleichzeitig Fieber aufgetreten ist«, erklärt das AIHTA. »Beim Symptom ‚Kopfschmerz‘ können die möglichen Diagnosen von Verspannungen bis zum Hirntumor reichen. Das führt mitunter zu erheblichen Verunsicherungen und Ängsten«, betont Jeindl.

Seine Arbeitsgruppe durchsuchte vier medizinische Datenbanken systematisch nach Studien mit Symptom-Checkern. In die Analyse flossen 14 Einzelstudien ein sowie eine Übersichtsarbeit, die 27 Studien umfasste. »Was die ‚Sicherheit‘ der Symptom-Checker betrifft, wurden bisher zwar keine möglichen Schäden durch Verwendung der Apps identifiziert, die Evidenz zur Genauigkeit der Diagnosevorschläge und der daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen lieferte aber keine zufriedenstellenden Ergebnisse«, so das Fazit des AIHTA. Es bestehe zudem die Gefahr einer Fehl- oder Überdiagnostik.

Die Studien zu Symptom-Checkern wiesen laut des unabhängig arbeitenden Instituts methodische Mängel auf. Sie würden meist auf Basis von fiktiven klinischen Fällen über Rollenspiele der Probanden getestet. Es könne daher nicht ausgeschlossen werden, dass die Algorithmen der Symptom-Checker mit denselben Fallbeispielen trainiert wurden, die auch für die Erhebung der Daten in den Studien herangezogen wurden. »Demnach können die Ergebnisse häufig nicht auf reale Bedingungen umgelegt werden«, folgert Jeindl.

Wer trotzdem Symptom-Checker nutzen will, sollte auf Transparenz und Qualität bei den Quellen achten, von denen die Apps die Diagnose-Vorschläge ableiten. »Apps, die verwendete Quellen nicht offenlegen, sind wenig vertrauenswürdig«, so Jeindl. Und: »Es macht einen großen Unterschied, ob seriöse medizinische Quellen herangezogen werden oder die Informationen von einer Homöopathie-Seite oder Nahrungsergänzungsmittel-Werbeplattform stammen.«

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