Alleinlebende ältere oder pflegebedürftige Menschen sollte man zumindest einmal am Tag anrufen, um sich nach ihnen zu erkundigen und sie ans Trinken zu erinnern.,,, / © Getty Images/Jeremy Poland
»Großflächige Hitzewellen bedrohen die Gesundheit sehr vieler Menschen und zählen zu den tödlichsten Extremwetterereignissen überhaupt«, warnen Ärzteschaft und Gesundheitsverbände. Der vorläufige Höhepunkt der aktuellen Hitzewelle stehe am Wochenende bevor. Ob es danach zu einem nennenswerten Temperaturrückgang komme, sei noch unsicher. Die aktuelle Lage sei gerade deshalb so riskant, weil die hohen Temperaturen anhalten und sich Gebäude, Wohnungen und Praxisräume über die Tage immer weiter aufheizen und nachts kaum noch abkühlen.
»Jede und jeder Einzelne kann dazu beitragen, die Zunahme hitzebedingter Erkrankungen und Todesfälle zu verringern«, so das Bündnis, indem man nicht nur sich selbst schützt, sondern auch gezielt auf Alleinstehende achtet. »Ein täglicher Anruf oder kurzer Besuch bei allein lebenden Nachbarinnen, Verwandten und Bekannten kann Leben retten.« Neben älteren Menschen, chronisch Kranken, Pflegebedürftigen und allein lebenden Personen gelten auch Schwangere, kleine Kinder sowie Menschen, die körperlich im Freien arbeiten, als besonders gefährdet. Im besten Fall gibt es ein Netzwerk, etwa aus Nachbarn, Freunden und Familie, das sich in Hitzephasen aktivieren lässt.
Ältere Menschen schwitzen weniger. Außerdem verspüren sie weniger Durst und trinken daher oft weniger. All das erhöht das Risiko für Dehydration und Überhitzung, wie das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) auf dem Portal »Klima Mensch Gesundheit« erklärt. Es gibt sechs Tipps, wie man Pflegebedürftige an heißen Tagen konkret unterstützen kann.
Wasser entzieht dem Körper Wärme. Verdunstet es auf der Haut, bringt das eine willkommene Kühlung. Möglichkeiten, sich diese Effekte zunutze zu machen, gibt es viele: So können pflegende Angehörige kühle, feuchte Umschläge auf Arme, Beine, Stirn oder Nacken der pflegebedürftigen Person platzieren, schlägt das BIÖG vor. Auch kühle beziehungsweise lauwarme Fußbäder oder Duschen schützen vor Überhitzung.
Noch einfacher: ein Wasserspray. Dafür Wasser in eine wiederverwendbare Sprühflasche füllen und die Haut damit nach Bedarf benetzen. Für die Nächte ist eine »Kühlflasche« – also eine Wärmflasche, die mit kaltem Wasser gefüllt ist – angenehm. Eines ist aber zu viel des Guten: Kühlakkus auf nackter Haut. Dann drohen Erfrierungen.
Ist es morgens noch frisch oder haben sich die Temperaturen am Abend abgekühlt, ist der beste Zeitpunkt zum Lüften. Tagsüber verschattet man die Fenster am besten mit Rollos oder Jalousien, damit möglichst wenig Sonnenstrahlen in die Räume fallen.
Angenehm ist auch ein Ventilator. Vorsicht, falls sich die Wohnung bereits stark aufgeheizt hat: Ab Temperaturen von etwa 35 Grad ist die Luft, die der Ventilator im Raum verteilt, so warm, dass sie die Haut nicht mehr kühlen kann. Dann kann es laut dem BIÖG sogar zu einer Überhitzung kommen.
Baumwolle und Leinen sind leichte Stoffe, die Luft durchlassen, und sind damit eine gute Wahl für Kleidung an heißen Tagen. Auch die Bettwäsche der pflegebedürftigen Person sollte aus einem leichten, atmungsaktiven Stoff sein. Es kann eine gute Idee sein, die Bettdecke durch ein Laken zu ersetzen.
Schwitzt die pflegebedürftige Person nachts stark, schlägt das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) ein Frotteehandtuch auf dem Kopfkissen vor. Bettunterlagen, die mit Folie beschichtet sind und bei Inkontinenz zum Einsatz kommen, sind hingegen keine gute Idee – es droht ein Wärmestau. Das gilt auch für Inkontinenzhosen mit Folienbeschichtung. Netzhosen mit Einlage sind eine hitzetaugliche Alternative.
Weil Älteren und Pflegebedürftigen oft das Durstgefühl fehlt, ist es gut, sie regelmäßig ans Trinken zu erinnern. So können pflegende Angehörige etwa die Trinkmenge für den ganzen Tag morgens bereitstellen. Oder sie erstellen regelmäßige Trinkerinnerungen auf dem Smartphone.
Optimalerweise nimmt man bei Hitze zwei bis drei Liter Flüssigkeit zu sich, nennt das BIÖG einen Richtwert – vorausgesetzt, es sprechen keine Vorerkrankungen von Herz oder Nieren dagegen. Geeignet sind Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees und dünne Saftschorlen. Sie sollten kühl, aber nicht eiskalt sein.
Einige Medikamente stellen bei Hitze ein Risiko dar, zum Beispiel Blutdrucksenker, die entwässernd wirken. Am besten sprechen Pflegebedürftige und/oder ihre Angehörigen mit Arzt oder Ärztin ab, ob während Hitzewellen die Dosis angepasst werden sollte. Auch die Apotheken können dahin gehend beraten und die aktuellen Temperaturen bei Medikationsanalysen miteinbeziehen.
Ist die pflegebedürftige Person nicht mehr ansprechbar oder wirkt verwirrt, kann das auf eine Überhitzung des Körpers hindeuten. Auch ein schneller Atem oder Kreislaufprobleme sind Warnzeichen. Dann rät das ZQP: sofort ärztliche Hilfe holen, also den Notruf 112 wählen.