| Johanna Hauser |
| 13.04.2026 10:00 Uhr |
Der moderne Lebensstil zieht zunehmend ein Organ in Mitleidenschaft, das nicht direkt mit kardiometabolischer Veränderungen in Verbindung gebracht wird: die Leber. / © Getty Images/Mohammed Haneefa Nizamudeen
Eine Leberfibrose birgt die Gefahr, sich zu einer Leberzirrhose und im weiteren Verlauf zu Leberkrebs zu entwickeln. Die zunehmende Häufigkeit dieser Erkrankungen stellt eine Herausforderung für die Gesundheitssysteme dar. In den USA weisen epidemiologische Daten auf einen Trend hin: Die Gesamtprävalenz für Lebererkrankungen ist bei Männern zwar grundsätzlich höher. Jedoch nimmt bei Frauen die Zahl an Leberzirrhosen und -karzinomen schneller zu als bei Männern. Demnach scheint es geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Risikofaktoren zu geben.
Ein Team um Dr. Somaya Albhaisi von der Keck School of Medicine in Los Angeles konnte nun Faktoren benennen, auf die Frauen offensichtlich sensibler reagieren und eher eine Leberfibrose entwickeln. Die Basis bildeten Daten der Studie »US National Health and Nutrition Examination Survey« (NHANES). Die Erkenntnisse wurden kürzlich im »JAMA Network Open« veröffentlicht.
Im Rahmen der NHANES-Studie wird die US-Bevölkerung regelmäßig stichprobenartig befragt und untersucht. Die von 2017 bis 2020 erhobenen Daten umfassten auch eine Leber-Elastografie, die Hinweise auf eine Zirrhose liefert. Eingeschlossen in die aktuelle Studie waren 5981 Erwachsene ab 20 Jahren.
Untersuchungskriterien waren unter anderem kardiometabolische Risikofaktoren wie ein hoher Taillenumfang (>102 cm bei Männern und > 88 cm bei Frauen), Glucoseintoleranz, Bluthochdruck und Hypertriglyceridämie. Ebenfalls bewertet wurden Adipositas und das Vorliegen von zwei oder mehr kardiometabolischen Risikofaktoren. Eine Fibrose bestand bei 10,7 Prozent der Männer und 6,9 Prozent der Frauen.
Risikofaktoren für die Entwicklung einer Leberfibrose lagen bei Männern allgemein häufiger vor als bei Frauen. So hatten Männer im Vergleich häufiger eine arterielle Hypertonie (44,9 versus 41,0 Prozent), eine gestörte Glucosetoleranz (41,7 versus 31,1 Prozent) oder eine Hypertriglyceridämie (48,8 versus 36,6 Prozent).
Lediglich der Taillenumfang war bei Frauen mit 69,0 Prozent häufiger zu hoch als bei Männern (48,6 Prozent). Allerdings scheint genau dieser Risikofaktor bei Frauen die Entstehung einer Fibrose zu befeuern. Die Fibroserate stieg bei Frauen mit viszeraler Adipositas von 0,8 auf 9,2 Prozent an. Die ermittelte Odds Ratio lag bei 13,45. Das bedeutet, dass eine Frau mit deutlich erhöhtem Taillenumfang – bezogen auf Frauen ohne diesen Befund – ein mehr als 13‑fach erhöhtes Risiko hat, eine Leberfibrose zu entwickeln. Bei Männern mit erhöhtem Taillenumfang hingegen lag dieser Wert bei 4,44.
Außerdem fördert Typ-2-Diabetes (T2D) bei Frauen eine Leberfibrose verstärkt. Die Prävalenz stieg durch T2D von 4,2 auf 11,8 Prozent (adjustierte Odds Ratio: 2,94), bei Männern von 8,7 auf 11,9 Prozent (adjustierte Odds Ratio: 1,51). Besonders nachteilig wirkte sich bei Frauen auch aus, wenn zwei oder mehr kardiometabolische Risikofaktoren vorlagen. Dann betrug die adjustierte Odds Ratio 10,22, bei Männern hingegen nur 2,87.
Grundsätzlich begünstigt eine viszerale Adipositas Faktoren, die zu einer Leberfibrose beitragen – etwa Insulinresistenz, Dyslipidämie, erhöhte Lipotoxizität sowie eine vermehrte Produktion proinflammatorischer Zytokine.
Die Autoren vermuten, dass die empfindlichere Reaktion von Frauen auf bestimmte Risikofaktoren mit dem sinkenden Estrogenspiegel und der damit nachlassenden hepatoprotektiven Wirkung nach der Menopause zu erklären sei. Das mittlere Alter der 2992 untersuchten Frauen betrug 49 Jahre. Wenn die Estrogenproduktion wegfalle, beeinflusse dies das Stoffwechselprofil und die Lebergesundheit.
So werde bei Frauen eine viszerale Adipositas gefördert und der Adiponektinspiegel sinke, wodurch ein metabolisches Syndroms begünstig werde. Störungen im Glucosestoffwechsel bewirkten zudem eine erhöhte Lipogenese, oxidativen Stress und die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine. Ebenso triggert ein gestörtes Insulinsignal eine Umverteilung von viszeralem zu subkutanem Fett, wodurch die Leber verstärkt freien Fettsäuren und Entzündungsmediatoren ausgesetzt werde. Diese Faktoren können eine Fibrose verschlechtern.
Allerdings, schränken die Autoren ein, seien keine Daten zum Menopausenstatus verfügbar gewesen und die Teilnehmer seien nur einmalig im Rahmen der NHANES-Erhebung befragt und untersucht worden. Die Studie zeige aber auch ohne diese Daten, dass kardiometabolische Risikofaktoren auch die Leber schädigen.