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Typ-2-Diabetes

Auch unsere Organe können ein Mikrobiom besitzen

Bakterien finden sich auf allen Körperoberflächen und im Darm. Obwohl innere Organe normalerweise steril sind, können offensichtlich bei Krankheiten – zum Beispiel bei Übergewicht – Bestandteile von Bakterien vom Darm in das Blut gelangen und Entzündungsreaktionen auslösen. Dies legt eine aktuelle Studie nahe.
Theo Dingermann
09.03.2020  17:10 Uhr

Bisher fehlte allerdings ein detailliertes Verständnis zur Herkunft solcher Bakterienfragmente und ihrer Verteilung im Gewebe. Das liegt teilweise auch daran, dass es gar nicht so einfach ist, »saubere« Gewebeproben zu erhalten. Nun erschien im Fachjournal »Nature Metabolism« eine detaillierte Analyse der Verteilung der bakteriellen DNA in den inneren Organen des Menschen.

Für ihre Studie untersuchten Professor Dr. André Marette und seine Kollegen vom Québec Heart and Lung Research Institute der Laval University, Québec, Kanada, Blut- und Gewebeproben von 40 Patienten, die sich einer Operation zur Gewichtsreduktion unterzogen. Neben Leberbiopsien wurde auch subkutanes, mesenteriales und omentales Fettgewebe untersucht.

Aus der mikrobielle DNA, die in diesen Proben gefunden wurde, ließen sich Rückschlüsse auf die Menge und Art der in den Gewebeproben vorhandenen Bakterien ziehen. Dabei identifizierten die Autoren auch eine einzigartige mikrobielle DNA-Signatur im Fettgewebe von 20 Patienten, die an Typ-2-Diabetes erkrankt waren. Darüber hinaus wiesen sie in den Gewebeproben nicht nur DNA von Darmbakterien, sondern auch von Bakterien nach, die häufig im Boden oder im Wasser vorkommen. Dieser Befund verdeutlich, wie innere Organe auch regelmäßig fremdem genetischen Material ausgesetzt sind.

Zunächst zeigt diese Studie nur, wie Bakterien oder bakterielle DNA innerhalb des menschlichen Körpers außerhalb des Darms verteilt sind. Ob tatsächlich lebende Bakterien in den Proben vorlagen, die in der Lage wären, ein inneres Gewebemikrobiom zu bilden, müssen künftige Arbeiten klären.

Zudem ist noch unklar, wie die mikrobielle DNA in die Gewebe gelangt ist. Denkbar wäre, dass Bakterien direkt über den Darm in bestimmte Gewebe vordringen. Eine Alternative wäre beispielsweise ein Transport mithilfe von Immunzellen.

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