| Cornelia Dölger |
| 18.06.2026 13:30 Uhr |
Die geplante Streichung der Homöopathie aus der GKV-Erstattung sorgt für Diskussionen. / © IMAGO/Bernhard Classen
In einem offenen Brief betonen die Unterzeichnenden, die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger schätze den therapeutischen Ansatz der Homöopathie und profitiere davon. Zu den Unterzeichnenden gehören Altpolitiker wie Otto Schily, Winfried Kretschmann, Malu Dreyer und Thomas Goppel, zudem Unternehmer wie Porsche-Aufsichtsrat Peter Daniell Porsche und Alnatura-Gründer Götz Rehn, die Schauspieler und »Tatort«-Kommissare Felix Klare und Hans-Jochen Wagner sowie Fernsehköchin Sarah Wiener.
Dass mit dem geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz homöopathische und anthroposophische Therapien als Satzungsleistung ausgeschlossen werden sollen, sei aus mehreren Gründen abzulehnen. So koste die Streichung am Ende Geld, statt Kosten zu sparen, weil der »Kauf von teureren anderen Medikamenten ohne bessere Behandlungsergebnisse« forciert werde.
Zudem gebe es – anders als die Diskussion nahelege – durchaus hochwertige Studien, die eine Wirksamkeit nahelegten. Mithin gründe eine Streichung auf einer rein politischen Abwägung, womit der Staat in eine laufende wissenschaftliche Diskussion eingreife.
Die Homöopathie erfreue sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit, sodass der Wegfall der Erstattung die therapeutische Vielfalt und Freiheit der Patientinnen und Patienten beschneide. Insbesondere bei Kindern sei die Streichung »unethisch«, da laut Studien aus der Versorgungsforschung mit Hilfe der Homöopathie der Antibiotikaeinsatz »um mindestens das Fünffache« gesenkt werden könne. Traditionelle und komplementäre Medizinsysteme in nationale Gesundheitssysteme zu integrieren, sei nicht zuletzt auch eine Forderung der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Mit der geplanten Streichung als freiwillige Erstattungsleistung geht die schwarz-rote Koalition einen Schritt weiter als die Vorgängerregierung. Die Ampel mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) als einem erklärten Gegner der Homöopathie hatte eine Streichung im Zuge eines Gesetzgebungsverfahrens ins Spiel gebracht, was seinerzeit aber am Einspruch der Grünen scheiterte. Die Grünen haben ihre Linie inzwischen geändert und sich beim Bundesparteitag im vergangenen Herbst in Hannover dagegen ausgesprochen, dass die GKV-Gemeinschaft für Therapien aufkomme, »deren Wirksamkeit über den Placeboeffekt hinaus wissenschaftlich nicht belegt« sei, wie es in dem verabschiedeten Antrag heißt.