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Deutscher Lebertag

Auch »sanfte Medizin« kann die Leber belasten

Nicht nur Alkohol und chemisch-synthetische Medikamente wie Paracetamol können der Leber zusetzen. Auch vermeintlich sanfte Naturheilmittel oder Nahrungsergänzungsmittel haben hepatotoxisches Potenzial. Davor warnt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) anlässlich des Deutschen Lebertags am 20. November.
Daniela Hüttemann
20.11.2018
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»Anders als verschreibungspflichtige Medikamente werden Naturheil- und Nahrungsergänzungsmittel, die oft freiverkäuflich erhältlich sind, eher als harmlos, risikoarm und gesundheitsfördernd wahrgenommen«, sagt Professor Dr. Christian Trautwein, Mediensprecher der DGVS und Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselkrankheiten und internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Aachen. Die Fachgesellschaft warnt vor einem unkritischen Einsatz in der Selbstmedikation, insbesondere über einen längeren Zeitraum.

Mehrere Fälle von Leberschädigungen seien für Schöllkraut beschrieben, welches in Naturheilmitteln zur Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt wird. »Gerade Menschen, die bereits eine Lebererkrankung haben, sollten bei diesen Präparaten zurückhaltend sein und vor der Einnahme mit ihrem Arzt Rücksprache halten«, rät die DGVS. Vorsicht sei auch angebracht bei Kräuterkombinationen, wie sie in der Traditionellen Chinesischen Medizin angewandt werden – vor allem, wenn nicht klar ist, welche Wirk- und Inhaltsstoffe sie genau enthalten.

Bei den Nahrungsergänzungsmitteln sei beispielsweise bei Grüntee-Extrakten Zurückhaltung angebracht. Im Frühjahr hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA vor möglichen Leberschäden unter Einnahme von 800 mg Grüntee-Katechinen und mehr pro Tag gewarnt. Der klassische Aufguss mit grünem Tee sei jedoch unbedenklich für die Leber. Besondere Vorsicht ist bei Nahrungsergänzungsmitteln zur Gewichtsreduktion mit Usninsäure angebracht. Hier habe es in der Vergangenheit Fallberichte über Leberschädigungen wie Hepatitis gegeben.

Insgesamt sei die Inzidenz schwerer Leberschädigungen durch Medikamente und andere Gesundheitspräparate mit 14 bis 19 Fällen pro 100.000 Einwohner pro Jahr eher niedrig, so die DGVS. Wie viele dieser Fälle durch Phytopharmaka oder Nahrungsergänzungsmittel ausgelöst werden, ist nicht bekannt.

Um unnötige Leberschäden zu vermeinden, sollten Medikamente, auch Naturheilmittel, sowie Nahrungsergänzungsmittel immer nur gemäß Dosierempfehlung unter Einhaltung der Kontraindikationen eingenommen werden. Eine langfristige Einnahme sollte mit dem Hausarzt abgestimmt werden, empfiehlt die DGVS. Besondere Vorsicht sei beim Kauf von Präparaten im Internet angeraten.

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