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Flussblindheit und Elefantiasis

Arzneistoffkandidat im Test

Forscher haben mit ABBV-4083 eine Substanz entdeckt, die eine schnelle und effektive Wirkung auf parasitäre Fadenwürmer hat. Neben Wissenschaftlern des Pharmaunternehmens Abbvie und der Liverpool School of Tropical Medicine waren an der Entdeckung auch Mitarbeiter des Universitätsklinikums Bonn beteiligt. ABBV-4083 hat bereits Phase-I-Studien erfolgreich durchlaufen. Die Ergebnisse sind aktuell im Fachjournal »Science Translational Medicine« publiziert worden.
Sven Siebenand
19.03.2019
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Weltweit sind etwa 120 Millionen Menschen über Mückenstiche mit parasitären Fadenwürmern (Filarien) infiziert, die zum Krankheitsbild der lymphatischen Filariose führen können. Bei der auch Elefantiasis genannten Erkrankung kommt es durch Lymphstau zu Vergrößerungen der Extremitäten beziehungsweise der Hoden. Schätzungsweise weitere 17 Millionen Menschen sind mit Filarien infiziert, die die Onchozerkose, die sogenannte Flussblindheit, auslösen können. Neben dem Sehverlust kann sie auch zu schweren Hautentzündungen führen.

Die Bekämpfung dieser Krankheiten erfolgt durch Massenbehandlungen mit Medikamenten, die die Übertragung der Erkrankung zeitweise unterbinden, aber nicht die adulten Würmer abtöten. »Um die Eliminierung der Onchozerkose und lymphatischen Filariose zu beschleunigen, werden deshalb Medikamente benötigt, die auch die erwachsenen Filarien abtöten«, sagt Privatdozent Dr. Marc P. Hübner vom Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Bonner Uniklinikums. Beispielsweise Doxycyclin erfüllt dieses Kriterium. Das Antibiotikum eliminiert endosymbiontische Bakterien der Gattung Wolbachia, die die Filarien zum Überleben brauchen. Schwangere, stillende Mütter und Kinder unter acht Jahren dürfen jedoch Doxycyclin nicht einnehmen, so Hübner. Ein weiterer Nachteil sei die lange, tägliche Behandlung über vier bis fünf Wochen.

Makrolid-Antibiotikum über zwei Wochen einzunehmen

Mit ABBV-4083 wurde nun ein neuer Arzneistoffkandidat entdeckt, der deutlich kürzer einzunehmen ist. In präklinischen Tiermodellen konnte man zeigen, dass mit dem Makrolid-Antibiotikum bereits nach zwei Wochen Behandlung eine effiziente Wirkung gegen die Wolbachia-Endosymbionten der Filarien nachzuweisen ist. Zudem wurde eine Phase-I-Studie mit gesunden männlichen Probanden erfolgreich abgeschlossen und eine Phase-II-Studie mit Filariose-Patienten soll nun starten.

»ABBV-4083 ist ein erster klinischer Kandidat, um die Eliminierung der Onchozerkose und lymphatischen Filariose zu erreichen und die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung 2030 einzuhalten«, sagt Hübner. Ein weiterer Kandidat, der mithilfe des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung entwickelt wird, sei Corallopyronin A. Der Wirkstoff hat im Tiermodell gezeigt, dass er die Endosymbionten der Filarien sogar noch effektiver abtötet. 

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