Remimazolam|Byfavo®|49|2026 |
Paion
| GABA-A-Rezeptor-Modulatoren |
20 mg Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung
50 mg Pulver zur Herstellung einer Injektions-/Infusionslösung
Byfavo 20 mg ist zugelassen zur prozeduralen Sedierung bei Erwachsenen.
Byfavo 50 mg ist zugelassen zur intravenösen Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie bei Erwachsenen.
Remimazolam ist ein ultrakurz wirksames intravenöses Benzodiazepin-Sedativum und -Anästhetikum. Der Wirkstoff ist das Ergebnis einer gezielten Modifikation: Das Molekül verbindet die pharmakodynamischen Eigenschaften von Midazolam mit den pharmakokinetischen von Remifentanil – was sich auch im Namen widerspiegelt. Analog zu Midazolam entfaltet Remimazolam seine Wirkung über eine Bindung an die Benzodiazepin-Bindungsstellen von Gamma-Aminobuttersäure-Typ-A-(GABAA-)Rezeptoren. Vom Remifentanil hat man sich das Prinzip der Esterbindung im Molekül abgeschaut: Im Körper wird Remimazolam organunabhängig von ubiquitär vorkommenden unspezifischen Gewebeesterasen schnell zu dem inaktiven Carboxylsäure-Metaboliten CNS7054 abgebaut, der eine etwa 300-mal geringere Affinität für GABAA-Rezeptoren hat. Daraus resultiert eine ultrakurze Wirkdauer.
Die Remimazolam-Dosis wird patientenindividuell und in der Regel körpergewichtsunabhängig titriert, um eine wirksame Menge zu erhalten, mit der die gewünschte Sedierungstiefe erreicht wird und Nebenwirkungen minimiert werden. Während der Gabe muss ein Benzodiazepin-Antagonist (Flumazenil) sofort verfügbar sein.
Ältere Patienten reagieren möglicherweise empfindlicher auf die Wirkungen von Remimazolam. Bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung können aufgrund der herabgesetzten Clearance die klinischen Wirkungen ausgeprägter sein und länger andauern. Patienten, die eine Dauertherapie mit Benzodiazepinen erhalten, benötigen aufgrund einer Toleranzentwicklung unter Umständen eine höhere kumulative Dosis, um die gewünschte Sedierung zu erreichen. Bei Patienten mit Myasthenia gravis ist besondere Vorsicht angezeigt.
Die gleichzeitige Anwendung von Remimazolam mit Opioiden kann zu starker Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod führen. Der Konsum von Alkohol und/oder ZNS-dämpfenden Substanzen sollte mindestens 24 Stunden vor der Gabe von Remimazolam unterbleiben.
Bei Anwendung als Sedativum sind sehr häufige Nebenwirkungen von Byfavo Hypotonie, Atemdepression und Bradykardie.
Bei Anwendung als Anästhetikum sind sehr häufige Nebenwirkungen von Byfavo Hypotonie, Übelkeit, Erbrechen und Bradykardie.
Neben einer Toleranzentwicklung kann es unter Remimazolam wie bei anderen Benzodiazepinen zu anterograder Amnesie, paradoxen Reaktionen und Suchtpotenzial kommen. Auch kardiorespiratorische Wirkungen können auftreten, einschließlich Atemdepression, Bradykardie und Hypotonie.
Bei instabiler Myasthenia gravis ist Remimazolam kontraindiziert.
Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.
Die Zulassung von Byfavo zur prozeduralen Sedierung beruht unter anderem auf den Phase-III-Studien CNS7056-006 und CNS7056-008. An ihnen nahmen knapp 900 Patienten teil, die sich einer Kolo- oder Bronchoskopie unterzogen. Alle erhielten Fentanyl als Schmerzmittel; anschließend wurden sie randomisiert entweder mit Remimazolam, Midazolam oder Placebo (mit Midazolam als Rescue-Behandlung) behandelt. Primärer Endpunkt war der Erfolg des Eingriffs definiert als abgeschlossener Eingriff ohne signifikante Anzahl von Auffrischungen oder Gabe eines alternativen Beruhigungsmittels. Die Erfolgsraten lagen bei 91,6 beziehungsweise 82,9 Prozent unter Remimazolam. Die entsprechenden Werte für die Midazolam- und Placebogruppen betrugen 26 beziehungsweise 31,9 Prozent sowie 1,7 beziehungsweise 3,5 Prozent. In beiden Studien traten unter Remimazolam die tiefste Sedierung 3 bis 3,5 Minuten nach der Anfangsdosis sowie eine vollständige Erholung 12 bis 14 Minuten nach der letzten Gabe auf.
Die Wirksamkeit und Sicherheit in der Indikation Allgemeinanästhesie wurden in zwei Studien mit der von Propofol verglichen. Ziel war, eine Nichtunterlegenheit aufzuzeigen. In der Phase-III-Studie CNS7056-022 mit 365 Erwachsenen, die sich einem operativen Eingriff unterzogen, war als primärer Endpunkt die Dauer der Bewusstlosigkeit anhand des Narcotrend-Index von höchstens 60 definiert. Der Narcotrend-Index ist ein Maß für die Hirnaktivität, der den Grad der durch eine Vollnarkose verursachten Bewusstlosigkeit wiedergibt. Die Skala reicht von 100 (wach) bis 0 (sehr tiefe Hypnose). Patienten unter Remimazolam wiesen in 95 Prozent der Operationszeit einen Narcotrend-Wert von höchstens 60 auf, während dieser Anteil unter Propofol bei 99 Prozent lag. In der Remimazolam-Gruppe wurden seltener Postinduktions-Hypotonien und Bradykardien beobachtet, bei gleichzeitig signifikant geringerem Bedarf an Vasopressoren. In der Phase- IIb/III-Studie ONO-2745-05 mit 391 Erwachsenen wurde bei allen Patienten unter Remimazolam sowie unter Propofol eine ausreichende und stabile Bewusstlosigkeit erreicht und aufrechterhalten. Als primärer Wirksamkeitsparameter galt eine erfolgreiche Durchführung der Operation, gemessen anhand ausbleibender Körperbewegungen, des Nichtaufwachens des Patienten oder eines Abbruchs des chirurgischen Eingriffs sowie der Notwendigkeit anderer Arzneimittel zur Aufrechterhaltung einer Vollnarkose während einer Operation.
Bei der Lagerung von Byfavo sind keine besonderen Temperaturbedingungen zu berücksichtigen. Die Durchstechflaschen sind vor Licht geschützt (Umkarton) zu lagern.
Byfavo 20 mg ist verschreibungspflichtig.
Byfavo 50 mg fällt unter das Betäubungsmittelgesetz
Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).
Aus Vorsichtsgründen soll eine Anwendung von Byfavo während der Schwangerschaft vermieden werden. Ein Risiko für gestillte Neugeborene oder Säuglinge kann nicht ausgeschlossen werden. Daher ist die Anwendung von Remimazolam bei stillenden Müttern zu vermeiden. Ist eine Anwendung dennoch notwendig, wird empfohlen, das Stillen nach der Gabe 24 Stunden lang zu unterbrechen.
Schrittinnovation
Letzte Aktualisierung: 06.02.2026