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ARZNEISTOFFE

Ticagrelor|Brilique®|79|2011

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STOFFGRUPPE
79 Thrombozytenaggregationshemmer
WIRKSTOFF
Ticagrelor
FERTIGARZNEIMITTEL
Brilique®
HERSTELLER

AstraZeneca

MARKTEINFÜHRUNG (D)
01/2011
DARREICHUNGSFORM

60 mg Filmtabletten

90 mg Filmtabletten

Indikationen

Brilique ist zugelassen zur Prävention atherothrombotischer Ereignisse bei erwachsenen Patienten mit akutem Koronarsyndrom und bei Patienten mit einem Myokardinfarkt in der Vorgeschichte, jeweils unter gleichzeitiger Gabe von ASS. Die Zulassung gilt sowohl bei medikamentös behandelten Patienten als auch bei Patienten, bei denen eine perkutane Koronarintervention (PCI) oder eine Bypass-Operation durchgeführt wurde.

Wirkmechanismus

Anders als Clopidogrel und Prasugrel, die den P2Y12-Rezeptor irreversibel blockieren, interagiert das Triazolo-Pyrimidin Ticagrelor reversibel. Das liegt an den unterschiedlichen Bindungsstellen. Die Thienopyridin-Derivate binden den Rezeptor über eine irreversible Dithio-Brücke. Nach Absetzen hält ihre Wirkung länger an als bei Ticagrelor, da die Rezeptoren neu in der Zelle synthetisiert werden müssen. Ticagrelor bindet an der Bindungsstelle des Rezeptors und hemmt ihn kompetitiv. Die hemmende Wirkung lässt nach Absetzen schneller nach, was den Umgang mit ihr besser steuerbar macht, zum Beispiel bei Operationen. Anders als Clopidogrel und Prasugrel benötigt Ticagrelor nach peroraler Applikation keine metabolische Aktivierung. Die Tatsache, dass es nicht erst in der Leber in dem für Wechselwirkungen anfälligen Cytochrom-P-450-System bioaktiviert werden muss, ist sicher als Vorteil zu sehen. Diese kleinen, aber feinen Unterschiede im Wirkmechanismus haben aber nicht nur Vorteile. So ist die zuverlässige Einnahme bei Ticagrelor bedeutsamer als bei den irreversiblen P2Y12-Hemmern. Aus Compliance-Gründen kann es zudem ein Nachteil sein, dass Ticagrelor zweimal täglich einzunehmen ist.

Anwendungsweise und -hinweise

Patienten mit akutem Koronarsyndrom sollten zum Therapiebeginn eine einmalige Initialdosis von 180 mg Ticagrelor erhalten und dann mit 90 mg zweimal täglich fortfahren. Es wird empfohlen, die Therapie bis zu einem Jahr fortzuführen, sofern nicht ein Abbruch der Behandlung klinisch erforderlich ist.

 

Bei Patienten mit erforderlicher Anschlussbehandlung nach einem mindestens ein Jahr zurückliegendem Myokardinfarkt in der Vorgeschichte und einem hohen Risiko für die Entwicklung eines atherothrombotischen Ereignisses beträgt die empfohlene Dosierung 60 mg Ticagrelor zweimal täglich.

 

Sofern keine speziellen Kontraindikationen dagegen vorliegen, sollten beide Patientengruppen neben Ticagrelor täglich ASS einnehmen.

 

Laut Fachinformation kann der Arzt Patienten, die bisher mit Clopidogrel behandelt wurden, bei Bedarf direkt auf den neuen Wirkstoff umstellen. Der Wechsel von Prasugrel auf Ticagrelor wurde bislang nicht untersucht.

Wichtige Wechselwirkungen

Laut Brilique-Fachinformation ist von der gleichzeitigen Gabe verschiedener Arzneistoffe abzuraten, zum Beispiel von starken CYP3A4-Induktoren, etwa Phenytoin und Carbamazepin, da diese die Konzentration und Wirksamkeit von Ticagrelor verringern können. Auch die Kombination aus Ticagrelor plus CYP3A4-Substrat mit enger therapeutischer Breite (zum Beispiel Mutterkornalkaloide), aber auch Ticagrelor plus Simvastatin oder Lovastatin in einer Dosis von mehr als 40 mg wird nicht empfohlen. Schließlich ist aufgrund von Berichten über abnormale Hautblutungen mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI), etwa Paroxetin, Sertralin und Citalopram, beim gleichzeitigen Einsatz von Ticagrelor Vorsicht geboten, da dieser das Blutungsrisiko weiter erhöhen kann.

Nebenwirkungen

Die in Studien zu Ticagrelor am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen der neuen Substanz sind Dyspnoe, blaue Flecken und Nasenbluten (Epistaxis). Bei den großen Blutungen insgesamt gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Prüfsubstanzen Ticagrelor und Clopidogrel. Allerdings traten unter Ticagrelor im Vergleich zu Clopidogrel mehr kombinierte schwerwiegende und leichte Blutungen auf. Auch intrakranielle Blutungen waren häufiger.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Ticagrelor darf nicht bei Patienten angewendet werden, die an einer mittelschweren bis schweren Lebererkrankung leiden, die derzeit Blutungen haben oder bei denen es durch eine Gehirnblutung zu einem Schlaganfall gekommen ist. Bei Asthmatikern und Patienten mit COPD in der Vorgeschichte ist ebenfalls Vorsicht geboten. Immerhin klagten initial fast 14 Prozent der Ticagrelor-Anwender in der PLATO-Studie über Atemnot. Eine pathophysiologische Erklärung dafür gibt es bisher noch nicht. Ferner darf Ticagrelor nicht bei Patienten zum Einsatz kommen, die andere Arzneimittel mit einer starken blockierenden Wirkung auf das Enzym CYP3A4 einnehmen. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um Ketoconazol, Clarithromycin, Atazanavir und Ritonavir sowie Nefazodon. Die gleichzeitige Einnahme könnte zu einem erheblichen Anstieg der Ticagrelor-Konzentration führen.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Hinweise auf einen klinischen Vorteil von Ticagrelor gegenüber Clopidogrel lieferte die Phase-III-Studie PLATO (Platelet Inhibition and Patient Outcomes). Darin wurde Ticagrelor (zweimal täglich 90 mg, Initialdosis 180 mg) mit Clopidogrel (einmal täglich 75 mg, Initialdosis 300 oder 600 mg) bei mehr als 18.000 Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten hatten oder an instabiler Angina erkrankt waren, verglichen. Die Patienten nahmen zusätzlich ASS ein und wurden bis zu einem Jahr lang behandelt. Der primäre Endpunkt nach einem Jahr, zusammengesetzt aus kardiovaskulären Todesfällen, Myokardinfarkten oder Schlaganfällen, trat unter Ticagrelor bei 9,8 Prozent der Patienten ein. Signifikant schlechter schnitt die Clopidogrel-Gruppe ab, in welcher dieser Wert bei 11,7 Prozent lag. Ticagrelor zeigte auch bei einigen der zuvor festgelegten sekundären Endpunkte Vorteile. So traten Myokardinfarkte allein in 5,4 Prozent der Fälle auf, im Clopidogrel-Arm waren 6,4 Prozent der Patienten davon betroffen. Der Tod durch kardiovaskuläre oder zerebrovaskuläre Ursachen trat unter Ticagrelor bei 3,8 Prozent der Patienten auf, während es unter Clopidogrel in 4,8 Prozent der Fälle dazu kam. Keine großen Unterschiede fanden sich bei den Schlaganfall-Ereignissen (1,3 Prozent versus 1,1 Prozent). Auch die Gesamt-Todesrate war bei Patienten unter Ticagrelor mit 4,3 Prozent niedriger als unter Clopidogrel (5,4 Prozent).

 

In den USA war Ticagrelor anfangs nicht von der Arzneimittelbehörde FDA zugelassen worden. Vermutlich lag das an dem erklärungsbedürftigen Ergebnis einer Subgruppenanalyse der PLATO-Studie. Während in Asien und Australien, Zentral- und Süd-Amerika, Europa, Mittlerer Osten und Afrika der zusammengesetzte Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall zugunsten Ticagrelor ausfiel, ergab sich überraschenderweise in Nordamerika ein umgekehrtes Ergebnis. Dort war Clopidogrel dem Ticagrelor überlegen. Inzwischen ist es dort unter dem Namen Brilinta™ verfügbar.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Brilique sind keine speziellen Bedingungen einzuhalten.
Brilique ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Ticagrelor

Ticagrelor

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Ticaloprid_V2.wrl

Links

Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR):
www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Summary_for_the_public/human/001241/WC500100539.pdf

 

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels:
www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/001241/WC500100494.pdf
 
Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und die Folgen:
www.iqwig.de/ticagrelor-betraechtlicher-zusatznutzen-fuer.1366.html

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Ticagrelor eine Schwangerschaft zuverlässig verhüten. Eine Anwendung von Ticagrelor während der Schwangerschaft wird nicht empfohlen. In Tierstudien hat sich eine Reproduktionstoxizität gezeigt.

 

Ticagrelor und seine aktiven Metaboliten gehen in die Muttermilch übergehen. Es ist daher zu entscheiden, ob abgestillt oder die Behandlung mit Ticagrelor abgesetzt/nicht durchgeführt werden soll. Dabei muss der Nutzen des Stillens für das Kind und der Nutzen der Behandlung für die Mutter berücksichtigt werden

Letzte Aktualisierung: 17.02.2017