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ARZNEISTOFFE

Micafungin|Mycamine®|21|2009

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STOFFGRUPPE
21 Antimykotika
WIRKSTOFF
Micafungin
FERTIGARZNEIMITTEL
Mycamine®
HERSTELLER

Astellas Pharma

MARKTEINFÜHRUNG (D)
01/2009
DARREICHUNGSFORM

50 mg Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung
100 mg Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Zugelassen ist Mycamine für die Therapie ösophagealer und systemischer Candidosen sowie für die Prophylaxe im Rahmen einer Stammzelltransplantation. Die Zulassung für die Prophylaxe und für die Therapie systemischer Candidosen schließt auch Kinder und Neugeborene mit ein. Bei einer Hefepilz-Infektion in der Speiseröhre darf das Mittel nur bei Patienten ab einem Alter über 16 Jahre zum Einsatz kommen. In allen Indikationen darf Micafungin nur angewendet werden, wenn andere Antimykotika ungeeignet sind.

Wirkmechanismus

Micafungin-Natrium ist ein halbsynthetisches Lipopeptid, das durch chemische Modifikation eines Fermentationsprodukts des Pilzes Coleophoma empetri F-11899 hergestellt wird. Als dritter Vertreter der Echinocandine nach Caspofungin (Cancidas®, 2002) und Anidulafungin (Ecalta®, 2007) wirkt Micafungin wie die Vorgänger durch die nicht-kompetitive Hemmung des Enzyms 1,3-β-D-Glucansynthase in der Zellmembran der Pilzzelle. Dessen normale Funktion besteht in der Synthese des Glucosepolymers 1,3-β-D-Glucan. Dieses bildet Fibrillen, die von essenzieller Bedeutung für die Festigkeit der Pilzzellwand sind. Die Hemmung der Synthase führt zur Destabilisierung der Zellwandstruktur und schließlich zur Lyse der Zelle. Echinocandine wirken somit fungizid und nicht nur fungistatisch. In Säugetierzellen kommt die 1,3-β-D-Glucansynthase nicht vor.

Anwendungsweise und -hinweise

Micafungin wird einmal täglich als einstündige Infusion angewendet. Die Resorption des Wirkstoffs erfolgt linear. Er verteilt sich schnell im Blut und liegt dort zu mehr als 99 Prozent an Plasmaproteine gebunden vor. Die Halbwertszeit liegt zwischen 12 und 15 Stunden.

 

Die empfohlene Dosierung beträgt bei einem Körpergewicht von mehr als 40 Kilogramm und einmal täglicher Gabe 50 mg (Prophylaxe), 100 mg (invasive Candidose) beziehungsweise 150 mg (ösophageale Candidose). Bei einem Körpergewicht unter 40 Kilogramm werden 1 mg (Prophylaxe), 2 mg (invasive Candidose) sowie 3 mg (ösophageale Candidose) je Kilogramm Körpergewicht verabreicht. Die Anwendung wird nach Abklingen der klinischen Symptome beziehungsweise nach Erholung der Neutrophilenzahl für mindestens eine Woche fortgesetzt. Dosisanpassungen hinsichtlich Alter, Geschlecht, eingeschränkte Nierenfunktion sowie leichte bis mittelschwere Einschränkung der Leberfunktion sind nicht erforderlich.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen von Micafungin sind Leukopenie, Neutropenie, Anämie, Hypokaliämie, Hypomagnesämie, Hypocalcämie, Kopfschmerzen, Venenentzündungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Ausschlag, Fieber, Schüttelfrost und Anzeichen von Leberproblemen. Die Inzidenz hepatischer Ereignisse betrug insgesamt 8,6 Prozent. Der Leber gilt bei allen Patienten besonderes Augenmerk, da Micafungin in Tierversuchen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Lebertumoren zeigte. Eine Relevanz für die klinische Anwendung ist nicht ausgeschlossen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Patienten unter Micafungin sind mithilfe von Bluttests auf Leberkomplikationen zu überwachen. Sollten die Leberenzyme kontinuierlich ansteigen, muss der Arzt die Therapie abbrechen. Vor allem bei Patienten mit bereits vorhandenen Leberproblemen darf das Pilzmittel nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden. Nicht empfohlen wird die Anwendung im Falle schwerer Leberprobleme oder einer chronischen Lebererkrankung. Auch Schwangere dürfen Micafungin nicht erhalten, es sei denn, dies ist unbedingt erforderlich.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Wirksamkeit von Micafungin wurde in mehreren Studien im Vergleich mit anderen Antimykotika untersucht. In einer randomisierten Doppelblindstudie zur Behandlung der Candidämie und der invasiven Candidose erwies sich Micafungin (100 mg/Tag oder 2 mg/kg KG/Tag, n = 202) als ebenso wirksam wie liposomales Amphotericin B (3 mg/kg KG, n = 190). Der primäre Endpunkt (klinisches und mykologisches Ansprechen am Ende der Therapie) wurde in beiden Gruppen in knapp 90 Prozent der Fälle erreicht. Bei Kindern (n = 48 beziehungsweise n = 50) wurde in beiden Gruppen in etwa drei von vier Fällen dieser Behandlungserfolg erzielt. In einer randomisierten Doppelblindstudie mit mehr als 500 Erwachsenen zum Vergleich von Micafungin (150mg/Tag) und Fluconazol (200 mg/Tag) bei der Behandlung der ösophagealen Candidose wurden Gesamtansprechraten von jeweils etwa 87 Prozent registriert. Bei der Prävention einer Mykose bei Patienten, die sich einer Knochenmarkstransplantation unterziehen, war Micafungin wirksamer als Fluconazol. 80 Prozent der Patienten unter Micafungin (340 von 425) entwickelten keine Mykose gegenüber 74 Prozent der Patienten (336 von 457), die Fluconazol erhielten.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Mycamine sind keine besonderen Bedingungen zu berücksichtigen.
Mycamine ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Micafungin

Micafungin

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

micafungin.wrl

Weitere Hinweise

Micafungin darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. In der Stillzeit muss entschieden werden, ob das Stillen oder die Therapie mit Micafunginunterbrochen werden soll.

Letzte Aktualisierung: 06.10.2015