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Forschung
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Arzneistoffe für gesundes Altern 

Altersabhängige Erkrankungen wie Osteoporose, Diabetes, Demenz und Krebs können bislang nur einzeln und symptomatisch behandelt werden. Forschende nehmen nun die gemeinsame »Wurzel allen Übels« ins Visier: die zelluläre Seneszenz.
AutorKontaktKerstin A. Gräfe
Datum 21.04.2026  18:00 Uhr

Schädliche Auswirkungen entschärfen

Mit senomorphen Therapeutika verfolgt man einen anderen Ansatz. Hier werden keine seneszenten Zellen eliminiert, sondern deren schädliche Auswirkungen entschärft. Zentral ist dabei die Unterbrechung der SASP-Produktion und -Sekretion. Als entscheidendes Target konnte der mTOR-Signalweg identifiziert werden. Das Protein koordiniert das Zellwachstum, reguliert den Stoffwechsel und fördert den SASP durch vermehrte Expression von NF-κB, IL-1a und die Serin/Threonin-Kinase MK2.

Die Behandlung von Mäusen mit dem mTOR-Inhibitor Rapamycin verlängerte deren Lebensdauer und verzögerte das Auftreten altersbedingter Funktionsstörungen. Auch für Metformin und JAK-Inhibitoren konnte gezeigt werden, dass sie nachweislich die SASP-Produktion senken. Ebenfalls senomorphe Eigenschaften weisen eine Reihe von zugelassenen Antikörpern auf, die gegen Schlüsselkomponenten des SASP gerichtet sind, darunter Interleukine wie IL-6, IL-1α, IL-1β und der Tumornekrosefaktor (TNF).

Altern als Indikation?

Eine Erweiterung der Indikation bestimmter Arzneistoffe auf das »Aufhalten des Alterns« ist allerdings noch ferne Zukunftsmusik. Zumal eine wichtige regulatorische Voraussetzung fehlt, nämlich die Anerkennung des Alterns als Krankheit. Im Fall des Falles hätte eine US-amerikanische Arbeitsgruppe um Professor Dr. Nils Barzilai, Direktor des Instituts für Alternsforschung am Albert Einstein College of Medicine in New York, geeignete Kandidaten parat. Die Gruppe beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit der Frage, welche bereits zugelassenen Arzneistoffe als evidenzbasierte Gerotherapeutika für eine Behandlung des Alterns geeignet sind.

Sie hat ein Ranking von zwölf in den USA zugelassenen Arzneistoffen mit gerotherapeutischem Potenzial veröffentlicht. Berücksichtigt wurden dabei präklinische und klinische Studien und es wurden nach entsprechenden Kriterien Punkte vergeben.

Bepunktet wurde zum Beispiel bei den präklinischen Parametern der Einfluss des Arzneistoffs auf die Gesamtlebensdauer und die Lebensdauer in Gesundheit von Nagetieren. Punkte in klinischen Studien gab es für den Einfluss des Arzneistoffs auf die Senkung der Sterblichkeit und die Verlängerung der Lebenszeit in Gesundheit beim Menschen.

Spitzenreiter der Liste mit der maximalen Punktzahl von 12 sind SGLT-2-Inhibitoren, gefolgt von Metformin und Bisphosphonaten mit je 11 Punkten und GLP-1-Rezeptoragonisten (10 Punkte). Rapamycin ist mit 9 und die Kombination Dasatinib/Quercetin mit 8 Punkten gelistet. 

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