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Erste Coronawelle
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Arzneimittel-Hamsterkäufe durch Gerüchte und Lockdown

Spekulationen um Nutzen und Risiken bestimmter Medikamente bei Covid-19 haben sich auch in Deutschland auf den Arzneimittelgebrauch ausgewirkt. Wie genau, hat nun das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut (DAPI) für die erste Coronawelle untersucht. Es mahnt, Off-Label-Gebrauch und Lieferengpässen durch bessere Aufklärung vorzubeugen.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 30.07.2021  12:30 Uhr

Antibiotika-Verbrauch ging zurück

Für das ebenfalls anfangs – insbesondere in Kombination mit Hydroxychloroquin – als nutzbringend vermutete Antibiotikum Azithromycin konnte dieser Effekt dagegen in Deutschland nicht beobachtet werden. Insgesamt gingen die Antibiotika-Verordnungen im Laufe der ersten Welle sogar spürbar zurück, was daran liegen könnte, dass durch den Lockdown weniger Infektionen allgemein auftraten.

Einen großen Anstieg gab es bei den Pneumokokken-Impfstoffen, begründet wohl auch durch die Impfempfehlung des Bundesgesundheitsministeriums für alle Personen ab 60 Jahren. Bis Februar 2020 lagen die Abgabezahlen auf dem Vorjahresniveau, in der Woche vom 9. bis 15. März folgte ein Plus von 373 Prozent (auf 302.700 Packungen). Dann gab es ein Auf und Ab aufgrund der Lieferengpässe, insgesamt blieben die Zahlen aber im Vergleich zum Vorjahr deutlich im Plus.

Mehr als doppelt so viel Paracetamol verkauft

Wie Apothekerinnen und Apotheker selbst am besten wissen, gab es im März und April 2020 einen regelrechten Ansturm auf Paracetamol. Tatsächlich stieg der Absatz im März 2020 um 111 Prozent auf mehr als acht Millionen Packungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum, vor allem durch OTC-Verkäufe. Ibuprofen stieg im gleichen Zeitraum um 31 Prozent auf 4,66 Millionen Packungen. Im April sanken die Verkaufszahlen: um 36 Prozent bei Ibuprofen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, bei Paracetamol um 19 Prozent. Das deutet auf eine Bevorratung hin – ähnlich wie beim Klopapier.

»Hier kamen wohl zwei Effekte zusammen«, vermutet Schulz. »Zum einen haben die Menschen ein Fieber- und Schmerzmittel im Haus haben wollen, zum anderen sollte es bevorzugt Paracetamol sein, weil es anfangs Spekulationen zu negativen Effekten von Ibuprofen bei Covid-19 gab und zeitweise sogar die Weltgesundheitsorganisation stattdessen den Gebrauch von Paracetamol empfahl.« Insgesamt sei der Effekt bei Ibuprofen moderat gewesen, während es bei Paracetamol bekanntlich monatelang zu Lieferengpässen kam.

Einen Hortungseffekt gab es auch bei Mitteln, die in das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) eingreifen, also ACE-Hemmer und Sartane, sowie bei den Statinen Simvastatin und Atorvastatin. Hier stiegen die Abgabezahlen in der Woche vom 16. bis 22. März um 78 beziehungsweise74 Prozent. »Die betroffenen Patienten wollten sich wohl angesichts des drohenden Lockdowns und zur Vermeidung von Arztbesuchen bevorraten und die Ärzte sind dem nachgekommen«, so Schulz. 

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