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Tapering-Strips

Arzneimittel absetzen leicht gemacht?

Eine niederländische Institution wirbt mit »Tapering-Strips«, die das Ausschleichen von bestimmten Arzneimitteln erleichtern sollen. Auch Ärzte in Deutschland können die Rezepturen bestellen. Viele Fragen zu dieser Off-Label-Anwendung sind aber noch offen.
Nicole Schuster
17.07.2020  08:00 Uhr

Antidepressiva wie Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Benzodiazepine und andere Psychopharmaka sind wirksame und manchmal sogar lebensrettende Medikamente. Patienten lehnen allerdings oft eine anhaltende Einnahme wegen Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder Sexualfunktionsstörungen ab. Frauen möchten die Arzneimittel oft absetzen, wenn sie schwanger werden wollen. Oft ist es auch der Wunsch, nicht dauerhaft Psychopharmaka anzuwenden, der Betroffene dazu bewegt, das Medikament nicht mehr einnehmen zu wollen.

Bei einigen Patienten ist das Abdosieren allerdings mühsam; vor allem wenn sie die SSRIs Venlafaxin oder Paroxetin nehmen. Zu den möglichen Absetzsymptomen zählen Übelkeit, Lethargie, Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus, Parästhesien, also anomale Körperempfindungen wie das Gefühl von Ameisenlaufen, Schlafstörungen, Unruhe, Zittern, Schwitzen, Magen-Darm-Beschwerden und Koordinations- und Konzentrationsstörungen. Absetznebenwirkungen wie Depressivität, Angst oder Suizid-Ideen können zu der Annahme führen, dass die Grunderkrankung zurückgekommen ist.

Eine niederländische Institution namens User Research Centre NL bewirbt nun auch in Deutschland verstärkt eine Methode, die das Ausschleichen erleichtern soll. Bei den beworbenen »Tapering-Strips« handelt es sich um lange Streifen bestehend aus vielen aneinander geknüpften Beutelchen, die Tabletten oder Kapseln mit einer bestimmten, zum Ende hin abnehmenden Menge Wirkstoff enthalten. Die Bezeichnung Tapering-Strip besteht aus den englischen Wörtern »to taper« (deutsch: reduzieren, ausschleichen) und »strip« (deutsch: Streifen). Im ersten Säckchen finden Patienten die Tagesdosis für Tag 1. Die nachfolgenden Beutel enthalten das Medikament je nach Ausschleichplan in einer leicht reduzierten Dosierung oder zur Erhaltung in der gleichen Dosierung. Die einzelnen Beutel sind nummeriert und die Wirkstoffmenge ist auf ihnen dokumentiert. Ein Tapering-Strip enthält immer 28 Beutel, also die Medikation für vier Wochen.

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