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Kristin Kolb

»Apothekerin, die Kunst macht«

Kristin Kolb lebt in Berlin und arbeitet seit fast 15 Jahren als freischaffende Künstlerin. Ein untrügliches Gespür für Maß und Präzision hat sich die studierte Pharmazeutin dabei erhalten. Auch heilkundliche Motive fehlen in ihrem Werk nicht.
Ulrike Abel-Wanek
10.09.2020  07:00 Uhr

Ein frecher Berliner Bär streckt die Zunge heraus, darüber ein Stier als Zeichen für Europa, gefolgt vom deutschen Bundesadler. Die drei sind verbunden mit einer Schlange und bilden den »Stab des Äskulap«. Die neue  Skulptur von Kolb ist eine Interpretation des berühmten Gottes der Heilkunst, in dessen Namen Tausende von Medizinern an vielen Orten ihrer Arbeit nachgehen. 

Medizin, Pharmazie und Gesundheit sind immer wieder Themen der Künstlerin, nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie. »Ich fühle mich nach wie vor als Apothekerin und stelle mich auch vor als Apothekerin, die Kunst macht«, sagt sie. Dabei ist Kolb seit 2006 nicht mehr in der Apotheke, sondern ausschließlich mit den Schwerpunkten Bildhauerei, Malerei und Zeichnung künstlerisch tätig. Der Apothekerspatel ist jetzt ein unverzichtbares Modellierwerkzeug, um Ton und Gips zu formen und erinnert an die alten Zeiten im pharmazeutischen Labor.

Kolbs Arbeiten faszinieren durch ihre Lebendigkeit der Darstellung. Tiere und Menschen sind ihr Lieblingsthema. Die Naturwissenschaftlerin studiert ihre Motive akribisch, präsentiert sie realistisch oder verfremdet sie surreal. Immer regen ihre Werke und Interpretationen zum Nachdenken an. So wie die Skulptur »Leda« von 2011, die im Berliner ABDA-Haus steht. Das Mädchen mit dem Schwan wirkt selbstbewusst, steht fest auf dem Boden und setzt sich mit geballter Faust gegen das sie bedrängende Tier zur Wehr. Die »Leda« postete die Künstlerin auf ihrem neuen Instagram-Account – und hatte innerhalb weniger Tage mehr als 3000 Likes, auch von Apothekern. Die sozialen Netzwerke und überhaupt Marketing seien nicht ihre Stärken, räumt Kolb ein. Aber in Zeiten von Lockdown und Corona-Pandemie nicht in Vergessenheit zu geraten, sei überlebenswichtig für die Kunst- und Kulturschaffenden, so die 58-Jährige.

Neben der Bildhauerei malt und zeichnet Kolb seit etwa zwei Jahren intensiv vor allem auf alten Büchern. Nie weiß sie, wie der Untergrund der antiquarischen Werke reagiert, löst er sich unter ihren Pinselstrichen auf, hält die Farbe auf dem unebenen Papier? »Ich liebe das Schwierige«, so die Autodidaktin, die nicht Kunst, sondern Pharmazie studiert hat. Ihr Haus ist voll mit Büchern, die alle noch bemalt werden wollen. Das Buchobjekt »Affen« von 2018 trifft Kolb zufolge die momentane Situation der Corona-Pandemie sehr gut. »Wenn ich an Corona denke, denke ich an dieses Bild. Der Welt geht die Luft aus«, sagt sie.

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