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Verband Schleswig-Holstein

Apotheker wollen klarere Digital-Strategie

Die Apotheker im Norden sehen sich für die Digitalisierung im Gesundheitswesen gut gerüstet. Insbesondere im Hinblick auf das E-Rezept gebe es große Mitgestaltungsmöglichkeiten. Allerdings fordern sie für ihren Berufsstand eine klarere Strategie. Es gelte festzustecken, dass die Apotheken für diesen grundlegenden Wandel stabil aufgestellt sind, hieß es am Wochenende bei der Online-Mitgliederversammlung des Apotherkerverbands Schleswig-Holstein.
Cornelia Dölger
26.10.2020  10:28 Uhr

»Wir können Netzwerk«, sagte Verbandschef Peter Froese bei dem Treffen, an dem online etwa 60 Personen teilnahmen. Ob technisch, sozial oder im Umgang mit Behörden – hier seien die Apotheken aktive Spieler im Gesundheitssystem. Konkret biete die Entwicklung beim E-Rezept ein großes Potenzial für die Apotheken, etwa für die »bislang unerträgliche Retaxsituation«, so Froese. Mit der Einführung des elektronischen Rezepts bestehe die Aussicht darauf, dass die zahlreichen Retaxationen wegen Formfehlern »in den Griff zu bekommen sind«. Froese betonte: »Da bietet das E-Rezept die Chance etwas zu erreichen.«

Apotheker seien darüber hinaus relevant beim Thema Public Health. So hätten sie in der Coronavirus-Pandemie von Anfang an eine Vorbildrolle eingenommen und seien etwa mit die ersten gewesen, als es um das Tragen von Atemschutzmasken oder das Aufstellen von Plexiglas-Schutzwänden ging. »Hier haben wir Meinungen gebildet«, schloss Froese. Luft nach oben gebe es aber dennoch – »wir haben hier ein erhebliches Potenzial.«

»Wir können Versorgung managen«, so Froese weiter. Etwa wenn es um Versorgungsengpässe gehe, könnten Apotheker ihr Know-how effektiv einsetzen, um Mängel aufzufangen. Generell benötigten sie für ihre Dienstleistungen ein eigenes Honorarmodell. »Dienstleistungen dienen der Integration und tragen dazu bei, die Patienten besser zu versorgen«, begründete Froese.

Erfolg durch Verbünde

Für mehr Durchschlagskraft sei es sinnvoll, dass Apotheker auch über Verbünde nachdächten. Angesichts der zunehmenden technischen Optionen sei dies von erheblicher Relevanz, sagte Froese. »Für Apotheker gilt: Eins plus eins ergibt drei« – sprich: Vernetzte Apotheken können gemeinsam viel mehr bewirken als eine allein.

Froese malte zwei Zukunftsszenarien für Apotheken. Entweder die Digitalisierung führe dazu, dass es in Apotheken nur noch um »digitaloptimierte Materialwirtschaft« gehe. In diesem Fall drifte die heilberufliche Funktion der Apotheker durch den Fokus auf die Handelsfunktion ab, so Froese. Es gebe aber ebenso die Option, die Apotheken als aktive Player in die Digitalisierung einzubinden. Es gehe hier um Leistungsintegration in ein Netzwerk von gesundheitsorientiertem Handeln, erklärte Froese.

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