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Diabetes mellitus

Apotheker erfolgreich in der Sekundärprävention

Apotheker können Menschen mit Typ-2-Diabetes erfolgreich in der Sekundär- und Tertiärprävention unterstützen. Dies ist ein Ergebnis der einjährigen Interventionsstudie Glicemia 2.0, die Professor Dr. Kristina Friedland und ihre Doktorandin Katja Prax beim Bayerischen Apothekertag in Bamberg vorstellten.
Brigitte M. Gensthaler
06.05.2019
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»In Glicemia 2.0 ging es um die Sekundär- und Tertiärprävention, um Screening und Beratung sowie die Verhinderung von Progredienz und Folgekomplikationen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes«, erklärte die Professorin für Pharmakologie und Toxikologie von der Universität Mainz. Dazu wurden strukturierte Programme zur Sekundär- und Tertiärprävention entwickelt und deren Durchführbarkeit und Nutzen in öffentlichen Apotheken erprobt. Zur Erinnerung: In der Glicemia-1-Studie wurde bereits gezeigt, dass Apotheker aktiv zur Primärprävention von Typ-2-Diabetes beitragen können.

Friedland wies auf die erheblichen Folgekomplikationen einer diabetischen Stoffwechsellage hin. Die Reduktion des HbA1C-Werts senkt dieses Risiko deutlich. »Therapieziel ist daher eine stabile Einstellung dieses Werts, ohne Nebenwirkungen wie Hypoglykämien zu provozieren.« Daher war die Veränderung des Langzeit-Blutzuckerwerts auch der primäre Zielparameter in der Studie Glicemia 2.0.

Die Studienphase dauerte von März 2017 bis August 2018; seitdem läuft die Auswertungsphase. Apothekerin Prax von der Universität Erlangen stellte aktuelle Ergebnisse vor. 26 öffentliche Apotheken nahmen teil und wurden randomisiert in Interventions- und Kontrollapotheken eingeteilt. Sie rekrutierten als Studienteilnehmer Menschen mit Typ-2-Diabetes mit einem HbA1C ab 7 Prozent und einem Body-Mass-Index ab 25 kg/m2, die mindestens ein orales Antidiabetikum und insgesamt mindestens drei verordnete Dauermedikamente bekamen.

Von 96 Patienten in der Interventions- und 86 Patienten in der Kontrollgruppe konnten die Daten ausgewertet werden. Die Verbesserung des Langzeit-Blutzuckerwerts war statistisch signifikant. Dies sei auch klinisch relevant, erklärte Friedland. Bei den Parametern Nüchternblutglucose und Blutdruck gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Sehr erfreulich war das Ergebnis bei der Gewichtsreduktion: Fast 23 Prozent der Interventionsgruppe schafften eine 5-prozentige Gewichtsreduktion gegenüber etwa 8 Prozent der Kontrollgruppe. »Das ist statistisch signifikant«, sagte Friedland.

Die Patienten beider Gruppen begrüßten das Programm sehr. Mehr als zwei Drittel gaben an, dass es von den Apotheken weiterhin angeboten werden sollte. Neun von zehn Teilnehmer der Interventionsgruppe bewerteten den Nutzen als hoch, ebenso 87 Prozent der Kontrollgruppe. Im Herbst soll die vollständige Datenauswertung und die pharmakoökonomische Analyse vorliegen, kündigte Friedland in Bamberg an. 

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