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Telematikinfrastruktur

Apotheken sollen bis 2019 angeschlossen sein

Die Digitalisierung nimmt Fahrt auf – bis Ende 2019 sollen die Apotheken an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen sein. Das  bekräftigte heute eine Vertreterin des Landesgesundheitsministeriums bei der ersten Digitalkonferenz der Apothekerkammer Niedersachsen in Hannover. Die TK stellte ein lokales E-Rezept-Konzept vor.
Daniela Hüttemann
19.10.2018
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Derzeit wird die digitale Infrastruktur in Deutschland ausgebaut – auch im Gesundheitswesen. Hier macht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nun Tempo. Über den Status quo in Niedersachsen berichtete Claudia Schröder, Abteilungsleiterin Gesund und Prävention im Landesministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung bei der Digitalkonferenz in Hannover. Eingeladen hatte die Apothekerkammer Niedersachsen. »Alle Apotheken sollen bis Ende 2019 an die Telematik angeschlossen sein«, erinnerte Schröder an den aktuellen Terminplan. Das ermöglicht dann die Teilhabe an der elektronischen Patientenakte, die bis spätestens 2021 eingeführt werden soll, sowie die Übermittlung von E-Rezepten.

»Ich bin absolut zuversichtlich, dass wir die notwendige Strukturanpassung auf Länder- und Bundesebene hinbekommen. Wünschenswert wäre aber eine Temposteigerung, um der digitalen Entwicklung zumindest folgen zu können«, so die Staatssekretärin in ihrem Grußwort. In Niedersachsen sollen in den kommenden Jahren mehrere Projekte zur Telemedizin anlaufen, zum Beispiel sollen die Leitstellen des Notrufs die Kapazitäten in den Notaufnahmen der Krankenhäuser in Echtzeit abfragen können, während auf dem Weg dorthin bereits Patientendaten in die Klinik übermittelt werden können. Über das E-Rezept verlor Schröder allerdings kein weiteres Wort.

Die Pläne der Techniker Krankenkasse (TK) diesbezüglich stellte Apotheker Tim Steimle, Fachbereichsleiter Arzneimittel der TK, vor. Die Krankenversicherung mit ihren 10,6 Millionen Versicherten und 54 Millionen Rezepten pro Jahr habe das Thema bereits lange auf der Agenda. Mithilfe neuer Projektmanagement-Methoden soll es nun zügig vorangehen. Ende des Jahres soll ein Projekt in einem Stadtgebiet Hamburgs starten. Im Rahmen eines Open-House-Vertrags können sich die ansässigen Apotheken und Arztpraxen beteiligen, erklärte Steimle. Das könnten bis zu zehn Apotheken sein. Es gehe um die ganz alltägliche Arzneimittelversorgung, nicht um die telemedizinische Versorgung wie im E-Rezept-Projekt GERDA der ABDA, das im zweiten Quartal 2019 in Baden-Württemberg angelaufen soll. Der TK-Apotheker betonte jedoch, dass es sich nicht um ein Konkurrenzprojekt handle, man wolle lediglich die Entwicklung vorantreiben und seine Erkenntnisse auch der Bundesregierung vorlegen.

Die Patienten sollen eine elektronische Verschreibung mit QR-Code über die TK-App auf ihrem Smartphone erhalten sowie eine Bilddatei des klassischen rosafarbenen Rezepts. »Wir wollen bei diesem Projekt die Bedürfnisse der Patienten an ein E-Rezept erforschen, um einen größeren regionalen oder bundesweiten Ansatz vorzubereiten«, erklärte Steimle. Das Projekt soll zum 1. Dezember starten. Nach vier Monaten soll ein erste Evaluierung erfolgen, nach sechs Monaten ein Workshop zur Weiterentwicklung des Modells.

Statt langwieriger Projektplanung wolle man dieses Mal »einfach machen«. Das Konzept sei im Sommer in mehreren Workshops mittels Design Thinking unter Einbeziehung von Patienten erarbeitet worden. »Bislang hat man vor allem darauf geachtet, wie die Leistungsbringer zusammenarbeiten wollen, aber kaum darauf, was die Patienten wollen«, so Steimle. Auch jüngere Patienten hätten das E-Rezept zusätzlich gern ausgedruckt, so ein erstes Ergebnis – zur Sicherheit.

Bislang sei das Interesse und Vertrauen am E-Rezept eher gering. »Die Patienten kommen erst im zweiten Schritt darauf, dass das E-Rezept auch Vorteile bringt, zum Beispiel eine direkte Weiterleitung an die Apotheke, sodass das verordnete Medikament bereits vorliegt, wenn der Patient in die Apotheke kommt«, so Steimle. Damit wolle man die lokale Versorgungsstruktur stärken, denn sie funktioniere schneller und persönlicher als der Versandhandel. Die Online-Apotheken sind von dem Pilotprojekt im Übrigen explizit ausgeschlossen.

»Alle sind sich einig, dass digitaler Kontakt den persönlichen nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen soll«, hatte zuvor bereits Staatssekretärin Schröder gesagt. »Wir Apotheker können weiterhin eine wichtige und wesentliche Rolle spielen, müssen aber auch innovativ sein und Wege gehen, die wir bislang nicht gegangen sind«, resümierte Kammerpräsidentin Magdalene Linz. »So können wir einen Status erreichen, der uns unentbehrlich macht.« Es brauche mehr interprofessionelle Vernetzung und Datenaustausch, um bestmöglich beraten zu können. »Die Digitalisierung ist wichtig, aber der Patient muss im Fokus bleiben«, so Linz.

Foto: PZ/Daniela Hüttemann

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