| Melanie Höhn |
| 27.04.2026 12:15 Uhr |
Vor‑Ort‑Apotheken seien »täglich nah an Menschen, die sich selbst oft noch nicht als gefährdet wahrnehmen«, so Mayer weiter. »Diese Nähe ermöglicht es uns, früh Warnsignale zu erkennen, sensibel anzusprechen und Orientierung zu geben.« Den Apotheken vor Ort komme gemeinsam mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen die Aufgabe der »Problem-Vermeider« bis hin zum »Problem-Erkenner« als auch »Problem-Löser« zu.
Für Mayer sind drei Punkte essenziell: Zunächst brauche es Zeit, Qualifizierung und Refinanzierung für das Thema Prävention. »Wenn Apotheken dauerhaft eine tragende Rolle übernehmen sollen, müssen diese Rahmenbedingungen gestärkt werden«, erklärte sie gegenüber der PZ. Zweitens müssten digitale Angebote sinnvoll integriert werden: »Wir brauchen Standards, Schnittstellen und klare Qualitätskriterien für digitale Suchtprävention, damit Apotheken seriöse Angebote empfehlen und in hybride Versorgungspfade einbinden können. KI‑gestützte Tools müssen transparent, sicher und evidenzbasiert sein«, so Mayer.
Drittens würden gerade junge Menschen, Angehörige oder Personen mit riskantem Konsum von niedrigschwelligen, digitalen und alltagsnahen Formaten profitieren: »Podcasts, chatbasierte Beratung oder just‑in‑time‑Interventionen sollten stärker genutzt und mit der persönlichen Beratung in der Apotheke verzahnt werden«, fordert die Apothekerin.
Professor Oliver Pogarell, erster Vorsitzender der Bayerischen Akademie für Suchtfragen, ist aber auch davon überzeugt, dass die neuen Medien erhebliche Chancen für die Angebote und die Durchführung von Prävention, Beratung und Therapie bieten. Er machte auf dem Suchtforum deutlich, dass ein offener Diskurs geführt werden müsse.
»Telemedizin kann, unabhängig von Ort und Zeit, einen Zugang zu Therapie und Beratung oft erst ermöglichen und moderne Tools können präventiv oder diagnostisch eingesetzt werden und die Selbstkontrolle stärken«, so Pogarell. Außerdem könnten Apps und Online-Communities Unterstützung und Austausch bieten. »Nicht die Technologie per se ist suchtfördernd, sondern die Art der Nutzung. Zu stärken sind Eigenverantwortung und Medienkompetenz, zu fordern ist das Verantwortungsbewusstsein der Anbieter«, so Pogarell.