| Paulina Kamm |
| 21.08.2026 07:00 Uhr |
Egkina Salamani von der Bio 7.0 Apotheke in Berlin berät Betroffene mit unerfülltem Kinderwunsch. / © Bio 7.0 Apotheke
Medienberichten zufolge sinken die Geburtenzahlen stetig – so auch die Zahl der Geburten nach Kinderwunschbehandlung. Einige Bundesländer wie Sachsen-Anhalt und Thüringen nahmen dies zum Anlass, ungewollt kinderlose Paare bei der Behandlung finanziell zu fördern. Auch die Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten. Egkina Salamani von der Bio 7.0 Apotheke in Berlin ist Ansprechpartnerin für die Begleitung von Paaren mit Kinderwunsch.
Die hohen Eigenkosten für Betroffene, die Komplexität der Therapie sowie vorhandene Beratungslücken könnten laut Salamani Gründe für den Rückgang der Behandlungen sein. »Viele Patient:innen fühlen sich nach ärztlicher Verordnung nicht ausreichend aufgeklärt und sind auf zusätzliche Unterstützung angewiesen«, so Salamani zur PZ.
»Kinderwunsch-Apotheken schließen eine zentrale Lücke zwischen ärztlicher Therapie und deren praktischer Umsetzung im Alltag«, erklärt Salamani. Die Aufgaben der Apotheken sieht sie in der Sicherstellung einer kontinuierlichen Arzneimittelversorgung mit zum Teil zeitkritischen Medikamenten sowie in der Beratung zur Anwendung, Lagerung und zum Umgang mit Nebenwirkungen. »Zudem sind wir eine niederschwellige Anlaufstelle für Fragen und Unsicherheiten.«
Doch auch hier gibt es laut Salamani ein Finanzierungsproblem, allerdings seitens der Apotheken: »Ein erheblicher Teil unserer Leistungen erfolgt ohne direkte Vergütung«, so Salamani. Beispiele hierfür seien ausführliche Beratungsgespräche, Anwendungsschulungen (zum Beispiel Injektionen), die Unterstützung bei der Erstellung von Therapieplänen und die Begleitung in emotional herausfordernden Situationen.
Für die Paare wünsche sich Salamani eine erweiterte Kostenübernahme durch die Krankenkassen. »Finanzielle Unsicherheit, veränderte Lebensentwürfe sowie die hohe Belastung durch die Behandlung selbst führen dazu, dass sich weniger Menschen dafür entscheiden«, sagt die Kinderwunsch-Ansprechpartnerin.
Seitens der Apotheken sei eine bessere Vergütung pharmazeutischer Dienstleistungen der Weg. Damit sich Paare generell häufiger für Kinder entscheiden, müsse grundsätzlich an den gesellschaftlichen Stellschrauben gedreht werden: »Flexible Arbeitszeitmodelle, mehr Kitaplätze und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie könnten dazu beitragen, dass sich mehr Menschen für ein Kind entscheiden und entsprechende Behandlungen in Anspruch nehmen«, so Salamani.
Auch die Rolle der Apotheken könnte laut Salamani ausgeweitet werden: »strukturierte Beratung, Präventionsangebote (etwa Mikronährstoffe), Therapiebegleitung sowie eine engere Zusammenarbeit mit behandelnden Ärzt:innen«, schlägt Salamani vor.