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Arzneimittelkosten

AOK schlägt Alternativen zur Preisbildung vor

Das Rabattsystem insgesamt solle erhalten bleiben, betonte Litsch. Hierbei handelt es sich um ein »kluges« und »wichtiges« System, das signifikant zur Senkung der Arzneimittelkosten beitrage. Hinsichtlich der flexiblen Abgabe von rabattierten Rx-Arzneimitteln in Apotheken zeigte er sich gegenüber der PZ allerdings skeptisch. Diese Sonderregel sei im Zuge der Kontaktbeschränkungen in der Pandemie eingeführt, es sei aber nur wenig genutzt worden und sollte deshalb keinen weiteren Bestand haben, sagte Litsch sinngemäß. Die Regel gilt derzeit noch bis Ende Mai 2022, die Apothekerschaft hatte zuletzt auf dem Deutschen Apothekertageine Entfristung dieser Regelung gefordert.

Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherungen ist derzeit sichtlich angespannt. Erst vor wenigen Wochen hatten Experten einen Mehrbedarf für nächstes Jahr von zusätzlich 7 Milliarden Euro prognostiziert. Diese Lücke soll mithilfe einer Rechtsverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit geschlossen werden. Um aber auch kurzfristig in diesem Bereich einsparen zu können, hat Litsch weitere Einspar-Ideen. So könnte etwa der Herstellerabschlag für patentgeschützte Arzneimittel von sieben auf 16 Prozent erhöht werden. Dies würde eine Entlastung von 1,7 Milliarden Euro für die GKV bedeuten. Er fordert zudem eine Verlängerung des Preismoratoriums für Arzneimittel des Bestandsmarkts, die nicht per Festbetrag geregelt sind. Eine Absenkung der Umsatzsteuer von 19 auf etwa 7 Prozent könnte zusätzlich entlasten. Diese Praxis sei in anderen Staaten bereits üblich, so Litsch. Und hinsichtlich der Coronavirus-Schutzimpfungen will er sich dafür einsetzen, dass der Bund auch im kommenden Jahr die Kosten für die Impfungen übernehmen soll. Für eine mittelfristige Übernahme der Impfkosten durch die Kassen sollten zudem sowohl die ärztlichen Vergütungen für die Impfungen als auch die Beschaffungskosten der Impfstoffe abgesenkt werden. Sollten die Kassen die Kosten hier künftig übernehmen, fordert er also auch eine Absenkung der Apotheken-Vergütung bei der Bestellung und Verteilung der Vakzine. Allerdings könnte sich Litsch auch eine Wiederaufnahme der Ausschreibung von Grippeimpfstoffen vorstellen, beziehungsweise zumindest eine Preisvereinbarung zwischen Krankenkassen und Apotheken. Derzeit unterliegen Impfstoffpreise keinerlei Regulierung. Dies sollte geändert werden, um die Versorgung zu verbessern und die Planungssicherheit zu erhöhen, so Litsch.

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