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Arzneimittelkosten

AOK fordert Reform der Preisbildung

Immer öfter sechsstellige Arzneimittelpreise

Immer öfter sechsstellige Arzneimittelpreise

Der Trend zu hochpreisigen Arzneimitteln belastet die Budgets der Kassen zunehmend. So erreichten laut AOK die GKV-Nettokosten für patentgeschützte Arzneimittel 2019 einen Höchststand von 21 Milliarden Euro, was einem Ausgabenanteil am Gesamtmarkt von 47,8 Prozent, aber einem Versorgungsanteil von nur 6,5 Prozent entspricht. »Sechsstellige Arzneimittelpreise für Neueinführungen werden immer öfter aufgerufen«, kritisierte Richard. Belief sich laut AOK-Statistik der durchschnittliche Packungspreis 2010 für Neueinführungen noch auf unter 2000 Euro, so lag er im vergangenen Jahr bei fast 14.000 Euro.

Um solchen Kostensteigerungen zu begegnen, fordert die AOK eine Reform des Preisbildungsprozesses. Statt eines willkürlichen Preises durch den Hersteller soll gleich bei Markteinführung eines neuen Präparats ein vorläufiger Preis gelten. Dieser Interimspreis sollte mittels eines nicht näher definierten Algorithmus errechnet werden und sich an den Kosten der zweckmäßigen Vergleichstherapie orientieren. Auch soll die Nutzenbewertung früher starten: Direkt nach Zulassung und somit bereits vor der Markteinführung. Das Preisbildungsverfahren will die AOK auf drei Monate verkürzen. Der finale Erstattungspreis soll dann rückwirkend den Interimspreis ersetzen – eventuelle Über- oder Unterzahlungen gelte es dabei auszugleichen.

Kooperation auf europäischer Ebene

Darüber hinaus fordert die AOK auch mehr Transparenz bezüglich der Arzneimittelpreise in anderen EU-Ländern. Denn bei den Erstattungsverhandlungen dienen diese als Referenzpreise. Bislang seien aber stets nur die Listenpreise bekannt, nicht die tatsächlichen Abgabepreise, so die Kritik. Es brauche daher eine »klare rechtliche Grundlage für die Möglichkeit und Ausgestaltung des Austauschs auf europäischer Ebene«.

Der Ruf nach einer Reform des AMNOG-Verfahrens ist nicht neu. Schön länger kritisieren Kassen die Systematik aufgrund der Marktentwicklungen als nicht mehr zeitgemäß. Zuletzt waren vor allem vonseiten der Pharmaindustrie auch andere Reformmöglichkeiten zur Preisfindung bei neuen Therapien im Gespräch, wie etwa das Modell Pay-for-Performance, also eine erfolgsabhängige Vergütung. Dabei muss die Kasse die Behandlung nur zahlen, wenn die Therapie den prognostizierten Behandlungserfolg gewährleisten konnte. Diese ergebnisorientierte Erstattung ist für die AOK jedoch keine Lösung. Diese Art der Preisgestaltung kaschiere nur die »Mondpreise« und führe zu intransparenten Arzneimittelkosten. »Konzeption, Umsetzung und Abrechnung dieser komplexen Vereinbarungen erfordern ein aufwändiges, individuelles Monitoring und erhöhen den Umsetzungsaufwand erheblich«, heißt es in dem heute veröffentlichten Positionspapier zu den Perspektiven der Arzneimittelversorgung 2020.

Die Bundesregierung hält bislang an dem AMNOG-Verfahren zur Regulierung der Arzneimittelkosten fest. Das Verfahren habe sich bewährt, heißt es in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP.  Es habe »allein im Jahr 2019 zu Einsparungen von etwa 3,6 Milliarden Euro geführt«.

 

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