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»Blindflug durch die Pandemie«

AOK-Chef fordert effektivere Datenverknüpfung

Der AOK Bundesverband bemängelt, dass Patienteninformationen zu Coronavirus-Impfung sowie -Testung oder Erkrankung an Covid-19 bislang nicht gebündelt erfasst werden. Dadurch entstünden erhebliche Lücken bei der Datenerhebung, sagte Verbandschef Martin Litsch den Zeitungen des »Redaktionsnetzwerks Deutschland«. Die Politik müsse hier dringend nachsteuern.
Cornelia Dölger
26.05.2021  12:00 Uhr

Massenandrang an Coronavirus-Schnellteststellen, dazu täglich Hunderttausende Covid-19-Impfungen sowie eine beständige Flut an Laborauswertungen von PCR-Tests – die Pandemie zu bewältigen, bedeutet auch, kaum überschaubare Mengen an Patientendaten zu produzieren. Um daraus mittelfristig einen Nutzen ziehen zu können, dringt der AOK-Bundesverband darauf, diese Daten effektiver miteinander zu verknüpfen. Die Bundesregierung müsse die Lücken bei der Datenerhebung unbedingt schließen, um etwa langfristige Wirkungen oder Nebenwirkungen der Coronavirus-Impfungen besser zu erkennen, forderte Verbandschef Martin Litsch im Gespräch mit dem »Redaktionsnetzwerk Deutschland«.

»Wir bewegen uns beinahe im Blindflug durch die Pandemie«, erklärte Litsch demnach. »Wir wissen aktuell nicht, welche unserer Versicherten mit welchem Impfstoff versorgt wurden und wer positiv getestet wurde.« Dadurch würden Möglichkeiten verschenkt, wertvolle Erkenntnisse aus den vorhandenen Daten zu gewinnen. Etwa sei so nicht herauszufinden, wie häufig Reinfektionen nach durchgemachter Erkrankung oder Neuinfektionen nach einer ersten oder zweiten Impfung stattfänden. Auch über schwere Covid-19-Verläufe oder Todesfälle bekämen die Kassen zu wenige Daten, kritisierte Litsch.

Längerfristige anonymisierte Auswertungen

Um das zu ändern, schlägt der AOK-Chef vor, die Daten zu Impfungen, Erkrankungen und Testungen miteinander zu verknüpfen. Politisch möglich werde dies durch eine Anpassung der Coronavirus-Impfverordnung, praktisch könne eine Verknüpfung erfolgen, wenn die Impfzentren, Teststellen und Arztpraxen die Krankenversichertennummer der Geimpften und Getesteten erfassten und an die Kassen übermittelten. Diese Informationen könnten dann »datenschutzkonform« mit den Abrechnungsdaten verknüpft werden – was wiederum die Basis etwa für anonymisierte Auswertungen zu längerfristigen Wirkungen sowie Nebenwirkungen der Impfungen bilden könne.

Gerade im Hinblick auf anstehende Auffrischungsimpfungen oder die längerfristige Auswertung von Reinfektionen seien diese Daten wertvoll. »Ich bin überzeugt davon, dass sich viele spätestens in einem halben Jahr darüber beklagen werden, dass wir solche Auswertungen in Deutschland nicht durchführen können – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern auf der Welt«, so Litsch. Die Politik müsse handeln und entsprechende Nachbesserungen möglichst schnell auf den Weg bringen.

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