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Bahamas

AoG-Einsatzteam trotzt der Hitze nach dem Sturm

Im September wütete der Hurrikan Dorian auf den Bahamas. Kurz danach begann die Hilfsorganisation Apotheker ohne Grenzen dort einen pharmazeutischen Hilfseinsatz. Vor Ort helfen deutsche Apotheker, vier Kliniken mit Medikamentenspenden fachgerecht zu versorgen.
Daniela Hüttemann
04.12.2019
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Entwurzelte Bäume, zerstörte Häuser, überflutete Trinkwasserreservoirs: Auch drei Monate nach Dorian sieht man die Folgen des Hurrikans auf den Bahamas noch in aller Deutlichkeit. Zehntausende Menschen sind auf Nothilfe angewiesen. Einen Beitrag leistet derzeit die deutsche Hilfsorganisation Apotheker ohne Grenzen rund um Freeport auf Grand Bahama, der größten und nördlichsten Insel des Bahamas-Archipels.

Zusammen mit International Medical Corps versorgt AoG dort vier Kliniken mit den nötigsten Medikamenten und medizinischen Produkten. Zunächst half Apothekerin Petra Isenhuth als erste AoG-Einsatzkraft in einem improvisierten Lager im Wohnzimmer eines intakten Hauses, die vorliegenden Arzneimittelspenden zu sichten. »Es gab keine Regale, so haben wir kurzerhand die Wohnungseinrichtung umfunktioniert, um darin einen Teil der Packungen für den Schnellzugriff unterzubringen«, berichtet Isenhuth.

Die High Rock Clinic wurde bis auf die Grundmauern zerstört. IMC errichtete daraufhin eine Zeltklinik mit medizinischer Grundversorgung und einer kleinen Apotheke. Schwierig ist die fachgerechte Lagerung der Medikamente: In den Zelten herrschen Temperaturen bis zu 35 Grad Celsius. Zwei andere Einrichtungen konnten dagegen weiterbetrieben werden. Dort arbeiten die lokalen Pharmazeuten in klimatisierten Räumen an der Arzneimittelversorgung.

Tobias Winter und Kristin Hortmann auf dem Weg ins Hurrikan-Gebiet. / Foto: AoG
Petra Isenhuth (Mitte) mit den einheimischen Mitarbeitern der Apotheke in Eight Mile Rock. / Foto: AoG
Petra Isenhuth (rechts) nimmt eine Arzneimittellieferung für die Klinik Eight Mile Rock in Empfang. / Foto: AoG

Mitte Oktober übernahm Apothekerin Kristin Hortmann als zweite Einsatzkraft. Sie half unter anderem bei der Arzneimittelausgabe in der Feldapotheke. Da nur ein kleiner Kühlschrank zur Verfügung steht, müssen die Medikamente mit Ventilatoren gekühlt werden. An einem anderen Standort wurden Arzneimittel in aller Eile in einen gekühlten Container gebracht. Ein großes Problem ist auch der Schimmel, der sich in den vom Hurrikan überfluteten Lagerräumen bildet. Dort können solange natürlich auch keine Arzneimittel gelagert werden.

Seit Mitte November läuft der dritte Einsatz, wieder mit Hortmann, unterstützt von Apotheker Tobias Winter. Noch immer müssen sie gemeinsam mit dem lokalen pharmazeutischen Personal jeden Tag improvisieren, wie mehrere Videos auf der AoG-Facebookseite eindrücklich zeigen.

Hortmann und Winter zeigen auch, wie unsachgerechte Arzneimittelspenden, die aus verschiedenen Quellen nach Grand Bahama gebracht wurden, die pharmazeutische Arbeit vor Ort erschweren. Es koste zu viel Zeit und Arbeitskraft, die verwendbaren und wirklich benötigten Medikamente von unbrauchbarem Arzneimittelmüll zu sortieren, sagen die beiden Einsatzkräfte. AoG bittet daher ausdrücklich um Geldspenden, um den Nothilfeeinsatz weiterführen zu können. »Arzneimittelspenden sind gut gemeint, helfen uns aber meistens nicht weiter, weil wir zielgerichtet helfen müssen«, berichtet Winter aus seinen Erfahrungen der letzten zwei Wochen. »Geldspenden kommen wirklich hier im Land an und werden für die Medikamente ausgegeben, die wir tatsächlich vor Ort benötigen, das garantieren wir.«

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