| Daniela Hüttemann |
| 31.07.2026 10:30 Uhr |
Juckreiz ist ein extrem quälendes Symptom. Während Antihistaminika beispielsweise bei einer Urtikaria oft Linderung bringen, ist ihr Einsatz bei atopischer Dermatitis eher nutzlos, wie eine neue Analyse bestätigt. / © Getty Images/ Kinga Krzeminska
Die atopische Dermatitis ist in Deutschland auch als Neurodermitis bekannt und wird im englischen Raum »Ekzema« genannt. Sie geht häufig mit starkem Juckreiz einher. Deshalb werden zusätzlich zu einer leitliniengerechten Therapie mitunter auch Antihistaminika angewendet. Der Nutzen ist jedoch umstritten.
So empfiehlt die deutsche S3-Leitlinie ausdrücklich: »Systemische Antihistaminika der ersten oder zweiten Generation sollen nicht als Langzeitbehandlung gegen Juckreiz bei atopischer Dermatitis verwendet werden.« Eine kurzfristige Anwendung sedierender Antihistaminika der ersten Generation könne in Einzelfällen, etwa zur Nacht, erwogen werden.
In England bekomme jedoch einer von fünf Neurodermitis-Patienten auch Antihistaminika, in den USA sogar fast jeder zweite, schreibt ein Forschungsteam der kanadischen McMaster-Universität in Hamilton, Ontario. Es trug nun die Daten aus 47 kontrollierten Studien mit insgesamt 6230 Kindern und Erwachsenen mit moderater bis schwerer atopischer Dermatitis für ein systematisches Review und eine Metaanalyse zusammen. Das Durchschnittsalter lag bei 20 Jahren und der Anteil weiblicher Teilnehmender bei 52 Prozent.
Verglichen wurde eine Erweiterung der Basistherapie (Hautpflege oder topische Steroide) mit H1-Antihistaminika, H2-Blockern, Mastzellstabilisatoren oder einer Kombination dieser Medikamente gegenüber der zusätzlichen Anwendung eines Placebos. Betrachtet wurden die Parameter Ekzemschwere, Juckreiz, Schlafstörungen, Wiederaufflammen der Entzündung und Lebensqualität sowie unerwünschte Effekte wie Sedierung und Benommenheit.
Zwar sei eine statistisch signifikante Reduktion von Ekzem- und Juckreizschwere bei allen drei Arzneistoffgruppen gegenüber Placebo verzeichnet worden, jedoch deutlich unterhalb der Schwelle für eine klinische Relevanz, berichten die Forschenden im »British Medical Journal«. Schlafstörungen und Exazerbationen werden wahrscheinlich nicht beeinflusst.
Sie könnten jedoch das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen. Antihistaminika der ersten Generation verstärken wahrscheinlich auch kognitive Beeinträchtigungen wie Sedierung und Schläfrigkeit und können das Risiko erhöhen, die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen abzubrechen. »Unsere Ergebnisse sprechen gegen den Einsatz von Antihistaminika in der routinemäßigen Behandlung der atopischen Dermatitis«, so die Schlussfolgerung der Autoren um Alexandro W. L. Chu – zumal die Leitlinie gerade bei schwerer Erkrankung mittlerweile einige zugelassene systemische Behandlungsoptionen nennt.