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FIP-Kongress

Antibiotika-Forschung muss sich wieder lohnen

Die Zunahme der Antibiotika-Resistenzen ist eine ernste weltweite Gesundheitsgefahr. Wie man diese eindämmen kann und vor allem wie man die Entwicklung neuer Wirkstoffe fördern kann, wird Thema auf dem Welt-Apotheker-Kongress in Abu Dhabi sein.
Christina Hohmann-Jeddi
09.08.2019
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Die Resistenzlage ist in den vergangenen 30 Jahren immer ernster geworden. Einem aktuellen Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge könnten bis 2050 zehn Millionen Menschen pro Jahr an Infektionen mit resistenten Bakterien sterben, wenn nicht jetzt geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um die drohende Krise noch abzuwenden. Derzeit existierten nur wenige Optionen, um Infektionen mit mehrfachresistenten (MDR) oder extrem resistenten (XDR) Erregern therapieren zu können. Darauf weist der Welt-Pharmazeuten-Verband (FIP) in einer Pressemitteilung hin. Zudem seien die meisten Wirkstoffkandidaten, die sich derzeit in der klinischen Entwicklung befinden, Modifizierungen von bereits bekannten Antibiotika und würden daher nur kurzfristig eine Lösung darstellen, erklärt Prateek Jain, Analyst des indischen Unternehmens Biopharma Insights, in der Mitteilung.

Das Paradoxe sei, dass einerseits die Entwicklung neuer Antibiotika gewünscht sei, die neuen Substanzen aber nicht eingesetzt werden dürften, da sie eine Reserve darstellten. Eine ganze Reihe von Hindernissen hätte dazu geführt, dass nur noch wenige Pharmaunternehmen weltweit überhaupt in diesem Bereich aktiv seien. Zum einen sei die Forschung sehr komplex und zum anderen die klinischen Studien aufwendig, da eine große Zahl von Probanden benötigt werden, um eine Nicht-Unterlegenheit zu Standardtherapien zu belegen. Die dafür benötigten hohen Kosten könnten Pharmafirmen in der Regel nicht refinanzieren. Denn der Antibiotikamarkt ist insgesamt wenig lukrativ: er sei stark von Generika bestimmt, die Behandlungszeiträume würden kürzer und die Akzeptanz hochpreisiger Arzneimittel sei gering ausgeprägt. Die neuesten Substanzen würden erst gar nicht eingesetzt, um eine Resistenzbildung zu vermeiden.

Um die Entwicklung neuer Antibiotika für Pharmaunternehmen lukrativer zu machen, gebe es verschiedene Strategien, heißt es in der Mitteilung. So fördere in den USA die Zulassungsbehörde FDA gemäß dem 2012 verabschiedeten Gesetz »Generating Antibiotic Incentives Now (GAIN)« die Antibiotika-Entwicklung finanziell, was sich bereits auswirke. Seit Einführung des Gesetzes bis Ende 2018 wurden in den USA elf neue Substanzen zugelassen, auch in Deutschland sollen in diesem Jahr einige auf den Markt kommen. Aber auch private Fonds wie die Bill & Melinda Gates Foundation stellen finanzielle Mittel für die Antibiotika-Forschung zur Verfügung. Zudem haben Behörden wie etwa die FDA in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Zulassung neuer antimikrobieller Substanzen zu erleichtern.

Dem Thema »Antibiotika der Zukunft« widmet der FIP eine eigene Session auf seinem Jahreskongress, der vom 22. bis 26. September in Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate, stattfinden wird.

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