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Welt-Antibiotika-Woche

Fortschritte in der Pipeline

Anlässlich der anstehenden Welt-Antibiotika-Woche gibt der vfa einen Einblick in die Pipeline der Arzneimittelhersteller – und fordert neue Refinanzierungsmodelle für die kostenintensive Forschung.
Daniela Hüttemann
11.11.2018  07:42 Uhr

In den nächsten Monaten könnten zwei neue Antibiotika auf den Markt kommen, die jeweils für bestimmte Erkrankungen mit resistenten Bakterien zum Einsatz kommen sollen. Das kündigt der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) anlässlich der am Montag startenden Welt-Antibiotika-Woche an, die die Weltgesundheitsorganisation jedes Jahr ausruft. Sie schließt am 18.11. mit dem Europäischen Antibiotika-Tag ab.

Bereits in der EU zugelassen, aber noch nicht auf dem Markt ist Eravacyclin, ein neues Tetrazyklin, das bei komplizierten Bauchraum-Infektionen indiziert ist. Im September zur Zulassung empfohlen wurde ein Kombinationspräparat aus dem bekannten Meropenem plus dem neuen Beta-Lactamase-Inhibitor Vaborbactam. Das Präparat soll bei Infektionen mit gramnegativen Bakterien zum Einsatz kommen, auch bei Carbapenem-resistenten Enterobakterien.

Drei weitere Antibiotika befinden sich im EU-Zulassungsverfahren; in den USA sind sie bereits verfügbar: Delafloxacin ist ein Fluorchinolon mit Indikation Haut-, Lungen-, Bauch- und Harnwegsinfektionen durch gramnegative und grampositive Bakterien einschließlich MRSA.  Der zweite Kandidat ist das Aminoglykosid Plazomicin. Es soll bei komplizierten Harnwegsinfektionen einschließlich Pyelonephritis, Sepsis durch bestimmte Enterobakterien sowie enterobakteriellen Infektionen bei Erwachsenen mit limitierten Therapiealternativen inklusive Carbapenem-Resistenz zum Einsatz kommen. Der Dritte im Bunde ist Omadacyclin, ein Aminomethylcyclin und Tetrazyklin-Analogon zur Behandlung von Hautinfektionen und Lungenentzündungen durch grampositive und gramnegative Erreger.

Darüber hinaus befinden sich mehrere neue Antibiotika in Phase III der klinischen Entwicklung: Nemonoxacin, Zabofloxacin, Cefilavancin, Lefamulin, Iclaprim, Cefiderocol, Lascufloxacin, Contezolid, Solithromycin, Sulopenem sowie eine Kombi aus Imipenem, Cilastatin und Relebactam nennt der vfa auf seiner Website. Die meisten der Substanzen sollen auch gegen bestimmte multiresistente Bakterien wirksam sein.

Noch könne aber nicht jede therapeutische Lücke in absehbarer Zeit geschlossen werden, räumt der vfa ein: »Die Anstrengungen zur Entwicklung neuer Antibiotika müssen gesteigert werden, damit die Medizin dauerhaft Resistenzen begegnen kann«, fordert vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. »Doch für viele denkbare Antibiotika-Projekte ist ungeklärt, wie Unternehmen sie refinanzieren könnten; die resultierenden Produkte sollen ja später so selten wie möglich zum Einsatz kommen.« Der Verband fordert daher neue Refinanzierungsmodelle.

Beispiele für öffentlich-private Partnerschaften sind das NewDrugs4BadBugs-Programm (ND4BB) der EU-Kommission und der europäischen Pharmaindustrie; CARB-X, ein gemeinsames Programm der Gesundheitsministerien der USA und Großbritanniens mit dem Wellcome-Trust der Bill&Melinda-Gates-Stiftung und weiteren Partnern sowie GARDP, ein von der WHO mit der Unterstützung Deutschlands initiiertes Probramm. Wer hier gefördert werden will, verpflichtet sich, neue Antibiotika später Schwellen- und Entwicklungsländern zu Sonderkonditionen zu liefern.

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