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Neue Regeln

Angabe der Dosierung auf Rezept wird Pflicht – droht die Retaxfalle?

Becker: »Kein Vorwand für Retaxierungen«

»Der Oktober war für die Arztpraxen ein Testmonat«, so der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Fritz Becker. Die Apotheker hätten gesehen, dass es hier und da noch Schwierigkeiten mit der Software und der korrekten Bedruckung von Rezepten gibt. Das sei nicht ungewöhnlich bei solchen Umstellungen. »Resultierende Formfehler auf Rezepten dürfen den Krankenkassen aber nicht als Vorwand dienen, Rezepte zu retaxieren und den Apotheken die Vergütung vorzuenthalten«, betonte er.

Grundsätzlich begrüßen es die Apotheker, dass nun ihre langjährig gehegte Forderung rechtlich umgesetzt ist: »Die Angabe der Dosierung auf dem Rezept kann eine kritische Informationslücke zwischen Arzt, Patient und Apotheke schließen und somit die Arzneimitteltherapie maßgeblich verbessern«, so Becker. »Dosierungsfehler sowie dadurch hervorgerufene Risiken lassen sich reduzieren, indem ein mögliches Wissensdefizit des Patienten direkt im Gespräch in der Apotheke behoben wird. Mit der verpflichtenden Dosierungsangabe auf dem Rezept hat der Gesetzgeber eine langjährige Forderung der Apothekerschaft und des Sachverständigenausschusses für Verschreibungspflicht aufgegriffen.«

Folgende Angaben sind künftig Pflicht

Bei Fertigarzneimitteln muss hinter dem verordneten Produkt das Kürzel: ≫0-0-1≪ in der Verordnungzeile aufgedruckt sein.

Beispiel: Ramipril XYZ-Pharma 2,5 mg 20 Tbl. N1 PZN01234567 ≫0-0-1≪

Haben Patienten einen Medikationsplan oder eine schriftliche Dosierungsanweisung an die Hand bekommen, entfällt zwar die Dosierungsangabe. Der Arzt muss aber auf der Verordnung notieren, dass dem Patienten eine solche Anweisung vorliegt. Dafür gibt es das neue Kürzel Dj (Dosierungsanweisung ja), das automatisch auf dem Rezept erscheint, wenn der Arzt diese Option am PC wählt.

Beispiel: Ramipril xyz-Pharma 2,5 mg 20 Tbl. N1 PZN 01234567 ≫ Dj ≪

Bei der Verordnung von Betäubungsmitteln ist nach wie vor die Angabe einer Gebrauchsanweisung mit Einzel- und Tagesgabe verpflichtend notwendig. Im Falle, dass dem Patienten eine schriftliche Gebrauchsanweisung übergeben wurde, erfolgt der Hinweis ≫gemäß schriftlicher Anweisung≪.

Beispiel Angabe der Dosierung:

Oxycodon – xyz-Pharma 20 mg Retardtbl. 20 St. N1 PZN01234567 ≫2 x tägl. (morgens und abends) 1 Tablette≪

Angabe, dass eine schriftliche Dosierungsanweisung vorliegt:

Fentanyl - xyz-Pharma 12µg/h 5 Matrixpfl. 2,89 mg N1 PZN01234567 ≫gemäß schriftlicher Anweisung≪

Auch die Kennzeichnungspflicht bei Rezepturen wird entsprechend an die neuen Vorgaben angepasst. Dies geht mit der Verordnung zur AMVV-Änderung einher, die am 21.Oktober 2020 mit Verkündung im Bundesgesetzblatt in Kraft getreten ist. Die Angabe der Gebrauchsanweisung ist demnach nur erforderlich, sofern die Arzneimittel nicht an den verschreibenden Arzt abgeben werden.

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