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50 Jahre Winterkongress

AMTS im Fokus

Trotz tief greifender und wirtschaftlich belastender Reformen bleibt der Fortbildungswille von Apothekerinnen und Apothekern auch im neuen Jahrtausend ungebrochen. Fortbildung sei für die Zukunft des Berufsstands unverzichtbar und das Pfund, mit dem man wuchern müsse, so der damalige BAK-Präsident Johannes M. Metzger 2004 in Davos.
Christian Schmidt
13.01.2020
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Immer wieder treten Kunden und Ärzte mit Anfragen an den Apotheker als kompetenten Ansprechpartner heran. Die Arzneimittelinformation gehört heute zu den wesentlichen Aufgaben von Apothekern. Die qualifizierte Beratung ist wichtiger denn je und gilt sowohl für die verordneten Arzneimittel als auch in der Selbstmedikation.

Diese Beratungsqualität versuchten allerdings interessierte Kreise durch Testkäufe in Apotheken auch immer wieder infrage zu stellen. Zur Qualitätssicherung der Beratung entwickelte die Bundesapothekerkammer deshalb das Pseudo-Customer-Konzept. Dieses sieht vor, dass ein Apotheker als Testpatient die Apotheke betritt und vorgibt, unter einem Symptom zu leiden, ein Arzneimittel zu benötigen oder ein Rezept einlösen zu wollen. Nach dem Gespräch wird die Beratung mittels eines standardisierten Fragebogens nach fachlichen und kommunikativen Aspekten bewertet. Metzger rief das Jahr 2004 zum »Jahr der Beratung« aus. Denn die beste Fortbildung nütze nichts, wenn das erworbene Wissen nicht kommuniziert würde, so Metzger mahnend an die Kollegenschaft. Das Pseudo-Customer-Konzept solle als Unterstützung zur Sicherung der Beratungsqualität verstanden werden.

Pharmazeutische Betreuung

Kommunikative Hilfestellungen boten Seminare, die passend zum jeweiligen Leitthema während der Kongresse angeboten wurden. Insbesondere eine erfolgreiche Patientenansprache, das Erkennen von Arzneimittelrisiken und Arzneimittelwechselwirkungen sowie patientengerechte Abgabehinweise sollten die Kollegen befähigen, Testkäufe souverän zu meistern, aber auch die eigene Beratungsleistung immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Guten Zuspruch fanden die Seminare zur pharmazeutischen Betreuung, die praxisnah die Umsetzung des Kongressthemas vermittelten, sodass das Erlernte gleich in der Apotheke umgesetzt werden konnte.

Eine Besonderheit im Seminarangebot war das zertifizierte sechsteilige Seminar »Pharmazeutische Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Asthma« nach dem Curriculum der Bundesapothekerkammer. Dr. Eric Martin, Offizinapotheker und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats, informierte in Zusammenarbeit mit Referenten der Allergieklinik Davos über medizinische Grundlagen und spezifische Therapien von asthmakranken Kindern und Jugendlichen sowie über die strukturierte und altersgerechte Betreuung. Dieses Seminar, das eine gute Grundlage für die praktische Umsetzbarkeit der pharmazeutischen Betreuung bot, wurde mehrere Jahre in Davos angeboten.

Die Weiterentwicklung des gesetzlich vorgeschriebenen Versorgungsauftrags wurde 2012 mit der Aufnahme des Medikationsmanagements in die neue Apothekenbetriebsordnung deutlich. Dr. Andreas Kiefer rief in seiner Funktion als Präsident der Bundesapothekerkammer beim Fortbildungskongress 2013 die Kollegenschaft auf, sich für die Weiterentwicklung der patientenorientierten Umsetzung des Versorgungsauftrags einzusetzen und zusammen mit dem Arzt ein therapeutisches Team zu bilden.

Leitkongress in Schladming

Die Abkehr von Davos als Kongressort im Jahr 2015 hatte sich der geschäftsführende Vorstand der Bundesapothekerkammer nicht leichtgemacht. Doch die ständig steigenden Kosten in dem Schweizer Kurort erschwerten es speziell jungen Kolleginnen und Kollegen, an einem Kongress teilzunehmen. Also musste man nach einer Alternative schauen und entschied sich für das österreichische Schladming, das mit einer guten Infrastruktur und moderaten Preisen überzeugte. Mit dieser Entscheidung gelang es, auch jüngere Teilnehmer zu gewinnen.

Die Auftaktveranstaltung in Schladming stellte als erster gemeinsamer wissenschaftlicher Leitkongress der Länder Deutschland, Österreich und Schweiz das Thema »Arzneimitteltherapiesicherheit« in den Fokus. Unter dem Titel »Volkskrankheiten – Pharmakotherapie und AMTS« vermittelten die Vorträge und Seminare anschaulich, wie Medikationsfehler aufgedeckt und verhindert werden konnten. Der Ausbau des Medikationsmanagements und die starke Einbindung des Apothekers in Medikationsprozesse ließ und lässt die Patienten vom Know-how des Berufsstands deutlich profitieren. 

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