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Aktualisierte Leitlinie

Alkoholprobleme frühzeitig erfassen und intervenieren

In frühen Stadien der Abhängigkeit und in der ambulanten Situation sei die Trinkmengenreduktion ein wichtiges Therapieziel. »Damit erweitern wir das Spektrum der Personen, die eine Behandlung annehmen.« Denn viele Patienten seien nicht bereit zur absoluten Abstinenz. Bei Schwerstabhängigen sei die Reduktion nicht sinnvoll, sondern nur die Abstinenz. Eine weiterführende, auch medikamentöse Behandlung dient der Rückfallprophylaxe. Die therapeutischen Interventionen bei alkoholbezogenen Störungen sind laut Kiefer hochwirksam und die Studienlage hierzu ausgezeichnet.

Der Suchtexperte warb für eine Verhältnisprävention, um den Alkoholkonsum zu begrenzen. Dazu gehören etwa höhere Preise für alkoholische Getränke und ein erschwerter Zugang, zum Beispiel durch nächtliche Verkaufsverbote, ein Verbot der Alkoholwerbung und dabei vor allem der Verknüpfung von Sport und Alkohol, wie etwa Bierwerbung vor Fußballspielen.

Alkohol-und Tabakkonsum bedingen etwa 20 Prozent aller ernsthaften Erkrankungen in Deutschland, meldet die DGPPN. Die Folgekosten von Alkohol-assoziierten Störungen sind hoch: Mit mindestens 30 Milliarden Euro pro Jahr liegen sie an der Spitze aller durch psychische Störungen verursachten Kosten. Mit etwa 330.000 stationären Behandlungen pro Jahr sind sie die zweithäufigste Diagnose bei allen stationär behandelten Patienten.

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