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Covid-19
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Aktuelle mRNA-Impfstoffe gut wirksam gegen zirkulierende Varianten

Die Frage, ob die aktuellen, an die XBB.1.5-Variante angepassten Covid-19-Impfstoffe die derzeit zirkulierenden Virusvarianten ausreichend effizient neutralisieren, wird kontrovers diskutiert. Jetzt deuten die Daten einer aktuellen Studie an, dass die aktuellen mRNA-Impfstoffe eine starke neutralisierende Immunantwort gegen SARS-CoV-2-Varianten induzieren, die derzeit zirkulieren – insbesondere gegen die sich schnell ausbreitenden Varianten HV.1, HK.3, JD.1.1 und JN.1.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 29.11.2023  17:00 Uhr

Generell gute Induktion neutralisierender Antikörper

Mithilfe pseudotypisierter Varianten des Vesikuläres Stomatitis-Virus (VSV) für die neuen Omikron-Subvarianten HV.1, HK.3, JD.1.1 und JN.1 sowie für die älteren Varianten D614G, BA.5, XBB.1.5, EG.5.1 konnten die Forschenden zeigen, dass der an die XBB.1.5-Variante angepasste Impfstoff eine deutliche Bildung neutralisierender Antikörper gegen alle aktuell zirkulierenden SARS-CoV-2-Varianten induziert. Dies gilt insbesondere auch für die sich derzeit schnell ausbreitenden Omikron-Varianten HV.1, HK.3, JD.1.1 und JN.1.

Besonders ausgeprägt war der Boostereffekt durch die Impfung mit dem monovalenten XBB.1.5-Impfstoff für die SARS-CoV-2-Variante XBB.1.5 und die neueren Omikron-Subvarianten (7,5- bis 10,6-facher Anstieg der neutralisierenden Antikörper), im Vergleich zu dem D614G-Unsprungsvirus und dem älteren Omikron-Subtyp BA.5 (2,7- und 3,9-facher Anstieg der neutralisierenden Antikörper).

Die Forschenden weisen auch darauf hin, dass die Wirksamkeit und das Ausmaß der Antikörper-Induktion für die beiden monovalenten XBB.1.5-mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer ähnlich waren.

Zudem zeigen die Forschenden, dass der Impfstoff auch eine robuste T-Zell-Antwort induziert, die für die langfristige Immunität wichtig ist. 

Geringere Auswirkung einer immunologischen Prägung beim Einsatz des neu angepassten Impfstoffs

Ungeachtet der Tatsache, dass der Boostereffekt nach der Impfung mit dem monovalenten XBB.1.5-Impfstoff für die neueren Varianten am deutlichsten war, wurden die höchsten Titer an neutralisierenden Antikörpern nach wie vor gegen D614G und BA.5, und nicht etwa gegen XBB.1.5 gemessen. Dieses Ergebnis zeigt, dass es bei der Auffrischimpfung zu einem erheblichen »Back-Boosting« von Antikörpern gegen frühere SARS-CoV-2-Varianten kommt, was wahrscheinlich die Folge einer immunologischen Prägung durch frühere Impfungen mit dem monovalenten Wildtyp-Impfstoff und dem bivalenten BA.5-Impfstoff ist.

Dennoch führte eine Auffrischungsimpfung mit dem monovalenten Impfstoff XBB.1.5 zu einer deutlichen Erhöhung der Serumneutralisationstiter gegen alle getesteten Omikron-Subvarianten, im Gegensatz zur Auffrischung mit dem bivalenten BA.4/BA.5-Impfstoff.

Eine mögliche Erklärung für diese Beobachtung wäre, dass XBB.1.5 genetisch und antigenisch deutlich weiter entfernt vom Ursprungsvirus entfernt ist als BA.5, wodurch die immunologische Prägung bis zu einem gewissen Grad abgeschwächt sein könnte. Eine wahrscheinlichere Erklärung ist jedoch die Tatsache, dass der neue, an XBB.1.5 angepasste Impfstoff ein monovalenter Impfstoff ist, der nicht mit Antigenen der älteren Varianten kombiniert wurde.

Die Ergebnisse der Studie stärken in jedem Fall die Empfehlung, den aktualisierten Covid-19-Impfstoff breit einzusetzen, um in der Bevölkerung einen guten und aktuellen Immunstatus zu etablieren.

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