| Alexander Müller |
| 05.11.2026 18:10 Uhr |
Der Präsident der Ärztekammer Berlin, Peter Bobbert, hält nichts von vielen Präventionsmaßnahmen in Apotheken. / © Sandra Schneider, Spreekind-Fotografie
In Berlin findet vom Mittwoch bis Samstag dieser Woche der 99. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) statt. Als Ärztekammerpräsident der Hauptstadt sprach Bobbert am Eröffnungstag ein Grußwort.
Bobbert kritisierte, dass sein Berufsstand im politischen Geschehen den Fokus verloren und damit Raum gegeben habe für Entwicklungen, wie sie sich im Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) niedergeschlagen haben. Mit der Reform wurden den Apotheken neue Aufgaben im Bereich der Prävention übertragen und neue pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) eingeführt.
Auch wenn es ihm angeblich nicht um die Vergütung geht, monierte Bobbert unter falscher Wiedergabe der tatsächlichen Werte, »dass die plötzlich 1,5 Milliarden zusätzlich bekommen, während wir in der Ärzt:innenschaft knapp fünf Milliarden haben einsparen müssen«.
Nein, darum gehe es ihm nicht. »Aber die Verschiebung von Leistungen bedeutet, dass hier Qualität eingebüßt wird«, findet Bobbert. Er sieht den Unterschied zwischen den Berufsgruppen darin, dass Ärzte einen freien Beruf hätten und kein Gewerbe ausübten. »Apothekerinnen und Apotheker üben ein Gewerbe aus. Sie sprechen auch nicht von Patientinnen und Patienten, sondern von Kundinnen und Kunden. Und sie machen diese medizinischen Leistungen auf Verkaufsflächen.«
Wer diesen Unterschied wegwischt, hat Bobbert zufolge keine Argumente mehr, warum solche Leistungen nicht auch von Drogerien oder Lebensmittelmärkten angeboten werden sollten. Und genau in diese Richtung entwickelt sich das Gesundheitswesen aus seiner Sicht – häufig ummantelt mit dem Begriff Prävention.
Bobbert räumte an anderer Stelle sogar selbst ein, dass Prävention in den vergangenen Jahren stets »stiefmütterlich« behandelt worden sei. Alle redeten darüber, aber dennoch tue sich vor allem Deutschland schwer mit Prävention.
Aber die Antwort kann aus seiner Sicht nicht sein, die Trennung der Berufe durch die Hintertür aufzuheben, weil ärztliche Leistungen von anderen übernommen würden, die dafür nicht qualifiziert seien. »Es geht nicht darum, Berufsgruppen zu schützen, es geht darum, Patient:innenschutz zu garantieren, die Qualität unserer Medizin zu garantieren«, so Bobbert.