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Testen und Blutabnahme
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Ärzte poltern gegen Apothekenreform

Die Ärzte sehen im Plan der Bundesregierung, Apotheken stärker in die Diagnostik einzubinden, eine gefährliche Verschiebung medizinischer Zuständigkeiten. Nicht nur drohe damit Mehrarbeit für die Praxen, sondern auch die Patientensicherheit würde gefährdet.
AutorKontaktPZ
Datum 20.05.2026  13:55 Uhr

Die Apothekenreform steht kurz vor dem Abschluss, heute beschäftigte sich der Gesundheitsausschuss mit dem Entwurf und den Änderungsanträgen der Regierungsfraktionen. Für Freitag ist die finale Lesung im Bundestag angesetzt. 

Dass Apotheken im Zuge der Reformpläne mehr testen und impfen sollen, ruft die Ärzteschaft erneut auf den Plan. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) lässt heute anlässlich der abschließenden Beratung im Gesundheitsausschuss wissen: »Schlimmer geht’s immer« 

Mit der geplanten Reform drohe eine Verschiebung medizinischer Zuständigkeiten. Die KBV-Vorstände Andreas Gassen, Stephan Hofmeister und Sibylle Steiner kritisieren, dass zentrale ärztliche Aufgaben zunehmend auf Apotheken übertragen werden sollen, obwohl dort die notwendige Qualifikation fehle.

Wie ein »Programm für Jugend forscht«?

Damit würden medizinische Grundpfeiler ins Wanken geraten. Diagnostik, Indikationsstellung und Therapieentscheidung seien untrennbar ärztliche Kompetenzen und dürften nicht »nach Belieben in andere Hände gegeben werden«. Die wiederholten Warnungen der Ärzteschaft seien von der Politik bislang nicht nur ignoriert worden – vielmehr habe sie ihren Kurs zuletzt sogar beschleunigt.

Besonders im Fokus steht der Plan, künftig bestimmte Testungen auf Krankheitserreger als »apothekenüblich« auszuweisen. Unklar sei, wer getestet werden solle, wer die Indikation stelle, wer dafür die Kriterien festlege. 

Zudem sei davon auszugehen, dass bei positivem Befund an eine Arztpraxis überwiesen werde, wo mutmaßlich erneut getestet werde. Es drohe mithin eine »Leistungsausweitung durch nicht evidenzbasiertes, anlassloses Testen«.

Auch die »venöse Blutentnahme zu diagnostischen Zwecken« stößt auf Widerstand.  »Unter Beaufsichtigung sollen sogar Pharmaziepraktikanten Hand beziehungsweise Nadel am Patienten anlegen können«, schreiben die Vorstände. Dies lese sich »ein wenig wie ein Programm für Jugend forscht, kann aber für Patienten, die dies tatsächlich in Anspruch nehmen wollen, mit ernsten Konsequenzen verbunden sein«. Die Reform sei »das genaue Gegenteil von evidenzbasierter Medizin, wirtschaftlichem Handeln und der Vermeidung von Doppelstrukturen«.

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