Kurz vor Beginn der Welt-Aids-Konferenz in Rio de Janeiro warnt die Organisation »Ärzte ohne Grenzen« vor einer neuen Ungleichheit in der HIV-Prävention. / © Adobe Stock/Viacheslav Yakobchuk
Laut Daten der Deutschen Aids-Stiftung leben derzeit weltweit 40,8 Millionen Menschen mit HIV. Im Jahr 2024 wurden demnach rund 1,3 Millionen Neuinfektionen registriert, begleitet von etwa 630.000 Todesfällen durch AIDS-bedingte Erkrankungen.
Die Vereinten Nationen haben sich zum Ziel gesetzt, HIV und Aids bis 2030 weltweit einzudämmen. Ein »Gamechanger« könnte dabei das neue Arzneimittel Lenacapavir des US-Pharmaunternehmens Gilead sein, so die Organisation »Ärzte ohne Grenzen«. Es wird alle sechs Monate unter die Haut gespritzt. Herkömmliche Mittel zur HIV-Prävention erfordern hingegen die tägliche Einnahme von Tabletten. Dies ist für viele Patientinnen und Patienten in Konfliktgebieten, Geflüchtetencamps und abgelegenen, ländlichen Regionen laut der Organisation unmöglich.
Der aktuell veranschlagte Preis von 28.000 US-Dollar für zwei Spritzen sei für Gesundheitssysteme in Ländern mit mittlerem und geringem Einkommen unbezahlbar. »Überdies weigert sich das Unternehmen, das Medikament für den Einsatz in Krisengebieten an Ärzte ohne Grenzen zu verkaufen«, so Melissa Scharwey, Expertin für globale Gesundheit bei der Organisation. »Es ist ein massives Versagen globaler Gesundheitspolitik, wenn ein hochwirksames, bahnbrechendes Medikament wie Lenacapavir existiert, jedoch Millionen Menschen keinen Zugang dazu haben.«
Die Organisation fordert, den Preis für Lenacapavir drastisch auf »etwa 40 US-Dollar pro Person und Jahr« zu senken und eine breite Produktion von Generika zu ermöglichen. Bereits in der Vergangenheit hat sich die Organisation darüber beschwert, dass das Medikament nicht verfügbar ist, und das Unternehmen aufgefordert, ihr das Medikament zu verkaufen.