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KBV-Kritik
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Ärzte halten Teilkrankschreibungen für unangemessen

Bisher gilt in der Regel: Wenn man krank ist, ist man krank. Künftig sollen Beschäftigte sich auch nur teilweise arbeitsunfähig melden können. Die Ärtzeschaft ist skeptisch.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 29.05.2026  07:25 Uhr
Datum Aktualisiert am 29.05.2026  16:30 Uhr

Die Kassenärzte warnen vor erheblichen Umsetzungsproblemen bei der geplanten Einführung von Teilkrankschreibungen im Job. Der Aufwand für die Praxen, sich für eine kluge Entscheidung bei den Arbeitgebern nach den Vor-Ort-Bedingungen zu erkundigen, sei »vollkommen unleistbar und auch nicht angemessen«, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister.

Die Einführung einer Teilarbeitsunfähigkeit ist Bestandteil des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), das vom Bundeskabinett auf den Weg gebracht worden ist. Angesichts hoher Fehlzeiten im Job sollen Beschäftigte sich bei längeren Erkrankungen auch nur teilweise krankschreiben lassen können, wenn sie und der Arbeitgeber es möchten – und zwar zu 25, 50 oder 75 Prozent der üblichen Wochenarbeitszeit. Bisher gibt es nur eine vollständige Arbeitsunfähigkeit.

»Stufen suggerieren medizinische Präzision«

Die KBV wies in einer Stellungnahme zum Gesetzentwurf auf »zahlreiche ungeklärte Folgefragen« hin. Eine Stufenfeststellung mit 25, 50 und 75 Prozent suggeriere eine medizinische Präzision, die bei den typischen Krankheitsbildern kaum objektivierbar sei. Haftungsfragen für Ärzte blieben offen. Zudem würde der bürokratische Aufwand erheblich steigen. Denn es würden detaillierte Kenntnisse zu den Umständen am Arbeitsplatz notwendig, die die Praxen nicht oder nur unter höchstem Aufwand recherchieren und validieren könnten.

Kritik dazu äußert auch der gesundheitspolitischer Sprecher der Linke, Ates Gürpinar. »Wir müssen die Regierung und ihre verrückten Ideen endlich stoppen«, sagte der Linke-Politiker in einem Statement. »Statt auf dem Rücken der Versicherten Arbeitgeberfantasien auszuprobieren, sollte die Bundesregierung endlich die Ursachen der Krise angehen und mit einer solidarischen Gesundheitsversicherung Vermögende zur Kasse bitten, um Unterfinanzierung, Personalmangel und die Profitlogik im Gesundheitswesen zu überwinden.«

Auch die Chefin des Sozialverbands Deutschland, Michaela Engelmeier, sprach sich dagegen: »Teilkrankschreibung klingt nach Flexibilität, ist in Wahrheit aber ein Risiko für Beschäftigte, Ärztinnen und Ärzte sowie Arbeitgeber.« Besonders Menschen in körperlich belastenden Berufen, chronisch Kranke und Menschen mit Behinderungen würden dadurch weiter unter Druck geraten. »Die Bundesregierung sollte diesen unausgereiften Vorschlag stoppen, statt neue Unsicherheiten, Haftungsfragen und Bürokratie in die Praxen zu tragen.«

Die genaue Umsetzung soll nach den Gesetzesplänen noch der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen ausarbeiten.

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