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Schiedsstelle

Ärzte bekommen Extravergütung für Konnektorentausch 

GKV und PKV gewähren Arztpraxen beim bald anstehenden Konnektorentausch eine Extra-Vergütung. Das hat die Schiedsstelle entschieden. Insgesamt stünden für die Digitalisierung in den Praxen weitere 400 Millionen Euro bereit, wie der GKV-Spitzenverband heute mitteilte.
Cornelia Dölger
20.07.2022  15:15 Uhr

Jede Praxis bekommt demnach pauschal 2300 Euro, um den Konnektor austauschen zu lassen, heißt es. Voraussetzung für den Tausch sei, dass die Laufzeit des Sicherheitszertifikats im Konnektor nur noch sechs Monate oder weniger beträgt. »Dadurch steht bei einigen Konnektoren der Tausch zeitnah an, während andere noch ein oder mehrere Jahre betrieben werden können«, erklärt der GKV-Spitzenverband. Hinzu kämen weitere Pauschalen, unter anderem für ein ebenfalls notwendiges Update, das die Nutzung der elektronischen Patientenakte ermöglicht. Insgesamt summieren sich demnach die Ausgaben, die nun zusätzlich zur regulären Vergütung festgesetzt wurden, für alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte auf knapp 400 Millionen Euro. »Die Kosten trägt die gesetzliche Krankenversicherung und die PKV«, schreibt der Spitzenverband.

Der Streit um den Hardware-Tausch ist im Ärztelager ein altes Thema. Die Konnektoren, die die Arztpraxen mit der Telematik-Infrastruktur (TI) verbinden, sind veraltet, weil ihre Sicherheitszertifikate demnächst ablaufen. Gleichzeitig lässt eine passende Softwarelösung noch auf sich warten, sodass die Praxen ihre überholten Geräte demnächst gegen neuere Hardware austauschen müssen, um technisch bereit fürs E-Rezept-Prozedere zu sein. Auch für Apotheken steht ein Hardware-Tausch demnächst an.

Den Betrag pro Praxis, den GKV und PKZ nun erstatten, hatte die KBV Ende Mai in einem Beitrag der KBV-Praxisnachrichten in etwa genannt. »Wenn der Hersteller sagt: ‚Das Ding kostet netto 2330 Euro inklusive Lieferung und Installation‘, dann muss die GKV auch 2330 Euro bezahlen, plus Steuern und Praxisaufwand« wie KBV-Vorstandsmitglied Thomas Kriedel damals betonte. Die Erstattung müsste eine Selbstverständlichkeit sein und kein Fall für das Schiedsamt, so Kriedel. Schließlich hätten nicht die Praxen den nötigen Wechsel verschuldet, sondern der nun fällige Schritt sei durch Verzögerungen beim TI-2.0-Update mit entsprechender Software-Anbindung begründet. Kriedel forderte, die Telematik-Infrastruktur (TI) solle grundsätzlich staatlich finanziert werden. Weil sich KBV und GKV sich bei den Kosten für den Hardware-Tausch nicht einigen konnten, wurde das Schiedsamt angerufen.

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