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Vorhofflimmern

Ablation und Antiarrhythmika etwa gleich wirksam

Die Katheterablation verhindert bei Patienten mit Vorhofflimmern Schlaganfälle, weitere Komplikationen und Todesfälle ebenso gut wie eine Arzneimitteltherapie, zeigt eine große internationale Studie im Fachjournal »JAMA«. Die Lebensqualität war aber nach dem Eingriff besser.
Christina Hohmann-Jeddi
22.03.2019
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Vorhofflimmern ist eine häufige Herzrhythmusstörung, unter der in Deutschland etwa 2 Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden. Bei anhaltender Symptomatik kommt eine dauerhafte Einnahme von Antiarrhythmika infrage oder eine Katheterablation. Bei diesem Eingriff wird mittels eines Katheters im Herzen die Stelle verödet, von der die Störimpulse, die den Herzrhythmus durcheinanderbringen, ausgehen.

Um zu untersuchen, mit welcher der beiden Methoden bessere Ergebnisse zu erreichen sind, wurde vor zehn Jahren eine große Studie initiiert. Für die CABANA-Studie (Catheter Ablation versus Antiarrhythmic Drug Therapy for Atrial Fibrillation) wurden von 2009 bis 2016 insgesamt 2204 Patienten mit Vorhofflimmern in 126 Zentren in Nordamerika, Europa und Asien rekrutiert. Die Teilnehmer hatten eine neue Diagnose oder ein unterbehandeltes Vorhofflimmern, waren im Durchschnitt 68 Jahre alt und zu etwa einem Drittel Frauen.

Die Patienten wurden auf zwei Gruppen randomisiert: Eine Hälfte erhielt eine Ablation, die andere eine medikamentöse Therapie. Etwa 9 Prozent der Patienten, die der Ablationsgruppe zugeteilt waren, ließen den Eingriff aber nicht durchführen. Dagegen erhielten 27,5 Prozent der Patienten aus der Medikamentengruppe im Untersuchungszeitraum von durchschnittlich vier Jahren auch eine Ablation, was die Auswertung erschwerte. Die Daten veröffentlichte ein Team um Dr. Douglas Packer von der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota, nun im Fachjournal »JAMA«.

In der Intention-to-treat-Analyse, bei der alle Patienten so ausgewertet werden, als hätten sie die ihnen zugeteilte Therapie auch erhalten, trat bei 8 Prozent der Patienten der Ablationsgruppe ein Schlaganfall, eine schwere Blutung, Herzstillstand oder Tod auf. In der Arzneimittelgruppe waren 9,2 Prozent betroffen, was keinen signifikanten Unterschied darstellte. Auch die Gesamtmortalität unterschied sich mit 5,2 Prozent versus 6,1 Prozent nicht signifikant. Allerdings kam das Vorhofflimmern nach der Katheterablation seltener zurück als unter medikamentöser Therapie, nämlich bei 49,9 gegenüber 69,5 Prozent.

In einer weiteren Publikation berichten Wissenschaftler um Dr. Daniel Mark vom Duke Clinical Research Institute in Durham ebenfalls in »JAMA«, wie sich durch die Interventionen die Symptomatik bei den Studienteilnehmern verbesserte. In beiden Gruppen reduzierten sich die Symptome und die Lebensqualität der Patienten nahm schon im ersten Jahr zu. Diese Verbesserung fiel nach der Katheterablation signifikant stärker aus als unter der Medikation.

Das Fazit der Studie ist zwar, dass die Ablation der Arzneimitteltherapie bezüglich der schwerwiegenden Komplikationen nicht überlegen ist. Doch Packer und sein Team weisen darauf hin, dass die Ergebnisse vorsichtig zu interpretieren sind. Zum einen war die Sterblichkeit in beiden Gruppen unerwartet niedrig, was vermutlich mit der guten Betreuung der Patienten in den spezialisierten Zentren zusammenhängt. Außerdem war die Zahl der Patienten, die die Gruppe gewechselt hatten, hoch. »Man kann nicht von einer Therapie profitieren, die man nicht erhalten hat«, sagt Packer in einer Pressemitteilung der Mayo Clinic. Wenn die Teilnehmer der Therapie-Gruppe zugerechnet wurden, die sie auch erhalten hatten, fielen die Vorteile für die Ablation deutlicher aus: Die Sterberate war um 40 Prozent und die Zahl der schwerwiegenden Ereignisse insgesamt um 33 Prozent reduziert, heißt es in der Mitteilung.

DOI: 10.1001/jama.2019.0693
DOI: 10.1001/jama.2019.0692

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