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Apotheken-Stärkungsgesetz

90 Prozent Gleichpreisigkeit erreicht

Zufrieden zeigt sich Fritz Becker, Vorsitzender des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg, mit dem im Bundeskabinett verabschiedeten Entwurf des Gesetzes zur Stärkung der Apotheken vor Ort. »Unser höchstes Ziel ist die Gleichpreisigkeit von Rx-Arzneimitteln; hier haben wir 90 Prozent erreicht, nämlich den GKV-Bereich.«
Brigitte M. Gensthaler
18.07.2019
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Er sei froh, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht ins Verteidigungsministerium wechselt, sagte Becker bei der Mitgliederversammlung am 17. Juni in Stuttgart. »Jens Spahn ist ein harter Knochen, aber ein verlässlicher.« Noch nie habe ein Gesundheitsminister so viel mit den Apothekern kommuniziert wie Spahn. Angesichts vieler anstehender Gesetzes-Vorhaben sei es gut, dass man diese nicht mit einem neuen Minister erneut diskutieren müsse.

Das »Spahn-Paket« zur Stärkung der Apotheken solle die flächendeckende Versorgung stärken – ohne Rx-Versandhandelsverbot. Becker trat allen entgegen, die das Gesetz aus diesem Grund ablehnen. Die Gleichpreisigkeit bei Rx-Arzneimitteln werde zu 90 Prozent gewahrt, nämlich im GKV-Bereich. Da alle Versandapotheken derzeit Boni geben, sei das jetzige Paket mit der Verankerung der Preisbindung im Fünften Sozialgesetzbuch »die zweitbeste Lösung und viel, viel besser als der jetzige Zustand«.

Die Begründung zum Gesetzentwurf lasse erkennen, wie stark der Vorstoß juristisch bearbeitet wurde, um ihn europarechtlich möglichst gut abzusichern. Becker zeigte sich zuversichtlich, dass die Regelung europarechtlich »eine gewisse Haltbarkeit« haben werde.

E-Rezept wird exponenziell zunehmen

Als weitere wichtige Punkte nannte er die Sicherung der freien Apothekenwahl und das Makel-/Zuweisungsverbot für E-Rezepte. »Ohne E-Rezept kommen wir nicht aus. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.« In Baden-Württemberg könnten E-Rezepte noch im laufenden Jahr verarbeitet werden. Becker erwartet, dass das E-Rezept zunächst zurückhaltend genutzt wird, aber »dann wird es exponenziell nach oben gehen«. Das Papierrezept werde es dennoch weiterhin geben.

Bei den Dienstleistungen sieht der LAV-Chef viel Zukunftspotenzial. »Dieses Pflänzchen dürfen wir jetzt nicht kaputt machen. Wir brauchen Dienstleistungen, die honoriert werden.« Dies eröffne die Chance, eine zweite Säule der Honorierung für die Apotheker aufzubauen. Jedoch seien die angekündigten 150 Millionen viel zu wenig.

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