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Apotheken-Abrechnungsdaten
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26 Prozent der Patienten von Engpass betroffen

Die Nicht-Verfügbarkeit von Medikamenten hat sich im letzten Quartal 2022 massiv zugespitzt. Das belegt eine Auswertung der Abrechnungsdaten der Apotheken, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) vorgenommen hat und nun per Grafik illustriert.
AutorKontaktEv Tebroke
Datum 03.03.2023  16:30 Uhr

Das Thema Lieferengpässe ist ein Dauerthema und beschäftigt Apotheken, Ärzte und Patienten schon seit Jahren. Doch zuletzt hatte sich die Lage drastisch zugespitzt. Insbesondere in den letzten drei Monaten des Jahres 2022 war die Versorgungslage für viele Medikamente, die bis dato noch lieferbar waren, schwierig. So gab es Probleme beim Nachschub mit Kinderarzneimitteln wie Fiebersäften, aber auch Antibiotika und andere gängige wichtige Medikamente waren nicht oder nur schwer lieferbar. Wie sehr sich die Lage im Vergleich zum Jahr 2021 und zu den ersten neun Monaten 2022 zugespitzt hat, das belegen nun veröffentlichte Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi).

Identifizierung via Sonder-PZN

Das Institut hatte anhand von Abrechnungsdaten der Apotheken in Deutschland ausgewertet, wie häufig Generika 2021 und 2022 nicht verfügbar waren. Als Beleg für die Nichtverfügbarkeit eines Arzneimittels fungiert dabei die Sonder-Pharmazentralnummer (PZN) 02567024. Hierzulande trägt jedes Arzneimittel, Medizinprodukt und andere apothekenübliche Produkt eine PZN und ist damit eindeutig identifizierbar. Die Sonder-PZN 02567024 hingegen wird laut Zi in den Apotheken immer dann für die Abrechnung mit den Kassen verwendet, wenn statt des rabattierten beziehungsweise preisgünstigsten Präparats ein wirkstoffgleiches Arzneimittel eines anderen Herstellers abgegeben wurde. Sie komme zwar nur im Generika- und importrelevanten Markt zum Tragen. »Eine Betrachtung ihrer Häufigkeit als Zeitreihe weist aber auf eine aktuelle Verschärfung der Lage hin«, so das Zi.

Die Auswertung ergab einen deutlichen Anstieg dieser Sonder-PZN im letzten Quartal 2022. Bei 10 Prozent der Verordnungen konnten Apotheken demnach nicht auf das eigentlich abzugebende Präparat (etwa Rabattarzneimittel) zurückgreifen. Laut Zi betraf dies 26 Prozent der Patientinnen und Patienten mit einer Verordnung. »Davon waren auch häufig verordnete Wirkstoffe betroffen«, heißt es in der Auswertung zur Grafik des Monats Februar 2023. Rund 75 Prozent aller verordnenden Praxen hätten mindestens einen betroffenen Patienten.

Letztlich dürfte das Problem aber noch weit größer sein, als anhand der Auswertung der Sonder-PZN dokumentiert. Denn Fälle, in denen die Apotheke ein neues Rezept in der Arztpraxis anfordern musste, weil der verordnete Wirkstoff überhaupt nicht verfügbar war, sind laut Zi nicht erfasst.

Die Gründe für die Lieferengpässe seien vielfältig, so der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried anlässlich der Veröffentlichung der entsprechenden Grafik des Monats. Neben nicht ausreichenden Produktionskapazitäten oder dem Rückzug einzelner Hersteller können auch kurzfristige Veränderungen im Krankheitsgeschehen zu Problemen führen. So sei im Dezember 2022 von Versorgungsschwierigkeiten bei Antibiotika mit den Wirkstoffen Amoxicillin, Amoxicillin/Clavulansäure und Penicillin V berichtet worden. Dies sei eine besondere Herausforderung gewesen, da viele Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, in diesem Zeitraum an einer bakteriellen Infektion erkrankten und der Markt nicht zeitnah genug auf den gesteigerten Bedarf habe reagieren können.

57 Prozent mehr Verordnungen

»Während im vierten Quartal 2021 die drei Wirkstoffe knapp zwei Millionen Mal verordnet wurden, waren es im vierten Quartal 2022 mehr als 3,1 Millionen Verordnungen (plus 57 Prozent).« Insbesondere bei so wichtigen Wirkstoffen wie Antibiotika fordert Stillfried daher neben stabilen Lieferketten die Vorhaltung einer Reserve. Zudem müsse die Politik mehr Transparenz über Lieferwege schaffen. Diese seien oftmals allein den jeweiligen Pharmafirmen im Detail bekannt. »Konkret heißt das: Abhängigkeiten von Lohnherstellern in Asien zurückfahren und verbliebene Standorte in Europa stärken sowie Lieferengpässe konsequenter überwachen, damit frühzeitig präventive Maßnahmen ergriffen werden können.«

 

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