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Salzkonsum: Doch nicht so schädlich wie gedacht

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Ein höherer Salzkonsum ist doch nicht so ungesund wie bislang angenommen. Eine Vergleichsstudie mit 18 Ländern belegt, dass Salz zwar den Blutdruck erhöht, nicht aber zwingend das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse oder die Gesamtmortalität. Die Ergebnisse der kanadischen Untersuchung sind nun im Fachjournal «The Lancet» erschienen. Demnach scheint eine Salzrestriktion nur in Regionen mit stark erhöhter Zufuhr sinnvoll. Zu wenig ist jedoch auch nicht gesund. Ein moderater Konsum wirkte sich am positivsten aus.

 

Ein hoher Kochsalzkonsum erhöht den Blutdruck. Das ist seit mehr als einem Jahrhundert bekannt und durch zahlreiche wissenschaftliche Publikationen untermauert. Experten warnen daher vor einem exzessiven Salzkonsum und die Weltgesundheitsorganisation, die European Society of Cardiology sowie die American Heart Association empfehlen eine drastische Reduktion der Kochsalzzufuhr für die Gesamtbevölkerung. Die tägliche Zufuhr sollte nicht über 5 g Natriumchlorid betragen, was 2 g Natrium und in etwa einem Teelöffel Kochsalz entspricht. Dass eine Restriktion das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse tatsächlich senkt, konnte bislang keine Studie belegen, heißt es in einer begleitenden Pressemitteilung des Inselspitals in Bern.

 

Nun untersuchten Forscher um Dr. Andrew Mente vom Population Health Research Institute in Hamilton, Kanada, in einer Vergleichsstudie mit fast 96.000 Personen aus 369 Gemeinden in 18 Ländern über acht Jahre, inwiefern die Salzzufuhr tatsächlich zu mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen oder einer erhöhten Gesamtsterblichkeit führt. Für jeden Probanden wurde anhand von Urintests die Natrium- und Kaliumaufnahme ermittelt sowie Faktoren wie Größe, Gewicht und auch der Blutdruck erfasst.

 

Das Ergebnis: Ein erhöhter Salzkonsum war mit einem erhöhten Blutdruck und erhöhtem Schlaganfallrisiko verbunden. Diese Assoziation war aber nur in Gemeinden mit einer sehr hohen durchschnittlichen Salzzufuhr von mehr als 5 g Natrium täglich zu erkennen. Diese Gemeinden befanden sich hauptsächlich in China, in anderen Ländern wiesen nur 16 Prozent der Gemeinden einen solch hohen Salzkonsum auf, die restlichen 84 Prozent hatten einen mittleren Konsum von 3 bis 5 g Natrium täglich. In keiner der untersuchten Gemeinden hatten die Probanden einen durchschnittlichen Salzkonsum von unter 3 g Natrium pro Tag und kamen damit auch nicht in die Nähe der empfohlenen 2 g täglich.

 

Überraschend war jedoch die Beobachtung, dass zwischen Salzkonsum und Herzinfarkt wie auch zwischen Salzkonsum und Gesamtmortalität eine negative Korrelation besteht: Je mehr Salz, desto geringer das Risiko. Bei zu niedrigem Salzkonsum stieg das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall geringfügig an.

 

In der Studie wurde zudem die Korrelation zwischen Kaliumaufnahme und Herzinfarkt, Schlaganfall und Gesamtmortalität ermittelt. Unabhängig vom Salzkonsum senkte eine hohe Kaliumaufnahme alle drei Risiken. Das bedeutet: Auch Patienten mit einem hohen Salzkonsum können mit zusätzlichem Kalium ihr Risiko vermindern. Kalium kommt hauptsächlich in Früchten, Nüssen und Gemüse vor.

 

Die Forscher folgern aus ihren Ergebnissen, dass Kochsalz-Restriktionsprogramme wohl nur für Regionen mit sehr hohem Salzkonsum sinnvoll sind. In den meisten untersuchten Gemeinden wird Salz nicht in den Mengen konsumiert, die schädliche Effekte haben. (ch)

 

DOI: 10.1016/S0140-6736(18)31376-X

 

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10.08.2018 l PZ

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