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Brustkrebs: Talazoparib bietet signifikanten Nutzen

Der PARP-Inhibitor Talazoparib kann bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs und BRCA-Mutationen das progressionsfreie Überleben gegenüber einer Standard-Chemotherapie signifikant verlängern. Das ergab die offene Phase-III-Studie EMBRACA, deren Ergebnisse kürzlich im Fachjournal «New England Journal of Medicine» veröffentlicht wurden.

 

Das Team um Professor Dr. Jennifer K. Litton vom MD Anderson Cancer Center der Universität Texas verglich die Wirksamkeit und Verträglichkeit von einmal täglich 1 mg Talazoparib mit einer Chemotherapie nach Wahl des behandelnden Arztes. Letztere beinhaltete die Wirkstoffe Capecitabin, Eribulin, Gemcitabin oder Vinorelbin. Da in diesem Fall eine orale Therapie mit einer intravenösen verglichen wurde, fand die Studie unverblindet statt. Die Probandinnen wurden im Verhältnis 2:1 randomisiert; 287 Patienten erhielten Talazoparib und 144 Patientinnen eine Standardtherapie mit einem der jeweiligen Einzelwirkstoffe. Wie die Autoren berichten, sprachen in der Talazoparib-Gruppe 62,6 Prozent auf die Therapie an gegenüber nur 27,2 Prozent in der Kontrollgruppe. Bis zu einer erneuten Tumorprogression, dem primären Endpunkt der Studie, vergingen in der Talazoparib-Gruppe 8,6 Monaten gegenüber 5,6 Monaten in der Chemotherapie-Gruppe. Die Hazard Ratio betrug 0,54, was eine Senkung des relativen Risikos um 46 Prozent für Progression oder Tod bedeutet. Der sekundäre Endpunkt Gesamtüberleben war bei einer vorgeplanten Interimsanalyse mit 22,3 Monaten versus 19,5 Monaten (noch) nicht signifikant unterschiedlich. «Die Überlebenskurven trennen sich jedoch zum Ende der Beobachtungszeit, sodass es wichtig ist, dies weiter zu beobachten», sagte Litton in einer Pressemitteilung der Universität.

 

Laut der Autoren wurde die Talazopraib-Gabe im Vergleich zur Chemotherapie gut vertragen. Bei 55 Prozent kam es zu hämatologischen Nebenwirkungen (Anämien) vom Grad 3 oder 4 gegenüber 39 Prozent in der Chemotherapie-Gruppe. Hingegen waren nicht hämatologische Grad-3-Nebenwirkungen mit 32 Prozent gegenüber 38 Prozent geringfügig seltener als unter der Chemotherapie. Wegen Nebenwirkungen brachen 8 Prozent der Patientinnen die Talazoparib-Behandlung und 10 Prozent die Chemotherapie ab.

 

PARP-Inhibitoren wurden für Krebspatienten mit Mutationen in den BRCA-Genen entwickelt. Dazu zählen in erster Linie Eierstock- und Brustkrebstumoren, bei denen Mutationen in den BRCA1/2-Genen die Reparatur von Doppelstrangbrüchen behindern. Letztere sind zwar zum einen die Ursache für die Tumorerkrankung, bieten zum anderen aber auch einen Angriffspunkt zur Zerstörung der Krebszellen. Denn um ihre eigenen DNA-Einzelstränge reparieren zu können, müssen sie auf das Enzym Poly-ADP-Ribose-Polymerase (PARP) zurückgreifen. Wird dieses nun mithilfe von PRAP-Inhibitoren gehemmt, führt dies letztlich zu DNA-Schäden, Apoptose und Zelltod. PARP-Inhibitoren haben sich daher als vielversprechende Mittel zur Behandlung von BRCA1/2-Tumoren entwickelt. Mit Olaparib, Niraparib und Rucaparib wurden in den letzten Jahren drei Vertreter dieser Substanzgruppe zur Behandlung des Ovarialkarzinoms zugelassen. Talazoparib könnte der erste PARP-Inhibitor zur Behandlung des BRCA1/2-positiven Mammakarzinoms werden. (kg)

 

DOI: 10.1056/NEJMoa1802905

 

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21.08.2018 l PZ

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