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Sonnencreme: UV-Filter und Nanopartikel schaden dem Meer

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Die UV-Filter in den Sonnenschutzprodukten können schädlich für Korallen und andere Tiere sein. Als erster US-amerikanischer Bundesstaat verabschiedete Hawaii im Mai ein Gesetz, das den Verkauf von Sonnencremes mit bestimmten Chemikalien darin verbietet. Am 1. Januar 2021 tritt es in Kraft. «Das ist ein historisches Gesetz für unsere Meere», sagt der demokratische Bundesstaats-Senator Mike Gabbard der Nachrichtenagentur dpa. «Ich hoffe, dass wir in 20 Jahren zurückschauen können und sehen, dass dies der Moment war, an dem wir der Verschmutzung den Kampf angesagt haben, und dass das Gesetz auf der ganzen Welt kopiert wurde.» Zuvor gab es unter anderem in einigen Teilen Mexikos und an einigen Unesco-Weltnaturerbestätten ähnliche Verbote.

 

Das Problem sehen Experten derzeit vor allem in zwei Inhaltsstoffen: Octinoxat und Oxybenzon, beide in Hawai'i nun verboten. Sie sollen die Haut vor der Ultraviolettstrahlung der Sonne schützen. «Diese Chemikalien sind inzwischen überall in der Natur zu finden, von der Arktis bis hin zu abgelegenen Korallenriffen im Südpazifik», sagt Craig Downs vom Haereticus-Labor in Virginia. Eine mögliche Folge seien Schäden am Erbgut von Fischen und Korallen. Aber auch mineralische Filter wie Zinkoxid können abhängig von ihrer Formulierung zu einer Korallenbleiche führen. Als Nanopartikel können sie von den Korallen absorbiert werden.

 

Natürlich sind die Chemikalien in Sonnencremes nicht die einzige Gefahr für Meere und Korallenriffe, aber Experten hoffen, dass sich dieses Problem vergleichsweise einfach in den Griff bekommen lässt. Rund 14.000 Tonnen Sonnencreme landen Schätzungen zufolge jedes Jahr im Meer. Wo besonders viele Touristen sind wie in Hawaii mit seinen rund neun Millionen Besuchern jährlich ist der Schaden im Meer besonders deutlich. «Meine Prognose ist, dass es bald keine lebenden Korallenriffe in Hawaii mehr geben wird, die Touristen besichtigen können», sagt Downs.

 

Auch in Deutschland sind UV-Filter aus Sonnencremes in Gewässern zu finden, zum Beispiel in der Ostsee, wie Messungen in Strandnähe 2015 ergaben. Das Umweltbundesamt (UBA) beschäftigt sich vorsorglich seit Jahren mit UV-Filtern: Einige der Stoffe wirken hormonähnlich, manche reichern sich in der Umwelt und in Organismen an – mit unklaren Langzeitfolgen. «Die Konzentrationen an chemischen UV-Filtern, die in deutschen Gewässern gemessen werden, sind bisher noch so, dass kein Fisch akut lebensbedroht ist», sagt UBA-Experte Jürgen Arning. Ein flächendeckendes Monitoring von Gewässern in Hinblick auf UV-Filter gebe es allerdings nicht.

 

Als riffsicher gelten beispielsweise die US-amerikanischen Marken TropicSport und Raw Elements. Von letzter erhalten Hawai'i-Touristen bei der Anreise sogar eine Probe von Hawai'ian-Airlines. Sie erhält lediglich non-nano Zinkoxid als Wirkstoff. Oxybenzon wird in europäischen Produkten kaum noch eingesetzt, aber auch der derzeit am häufigsten eingesetzte chemische Filter Octocrylen steht in der Kritik. Wer kein umweltverträgliche Sonnencreme findet und schnorchlen will, sollte statt Sonnenschutz einen Neopren- oder Lycra-Anzug tragen.

 

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DOI: 10.1016/j.scitotenv.2018.05.108 (Studie zur Wirkung mineralischer UV-Filter auf Korallen)
DOI: 10.1016/j.marpolbul.2017.07.057 (Studie von Kathrin Fisch zu UV-Filtern in der Ostsee)

26.06.2018 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/JAYANNP