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Schlafmittel: Warentest setzt auf Antihistaminika und Baldrian

 

Stiftung Warentest hat sich in der Juli-Ausgabe 55 nicht verschreibungspflichtige Präparate aus Apotheken und Drogeriemärkten vorgenommen, die bei Schlafstörungen helfen sollen. Viele sind wenig oder nicht dazu geeignet, urteilt die Stiftung. Als geeignet stuft sie lediglich insgesamt sieben Präparate ein, die die Antihistaminika Diphenhydramin oder Doxylamin enthalten. Sie sollen nur über wenige Tage, maximal zwei Wochen angewendet werden.

Von 33 bewerteten Baldrian-Präparate empfiehlt Stiftung Warentest nur acht – und auch nur mit Einschränkung, da für sie in Studien lediglich Hinweise auf eine schlaffördernde Wirkung gibt. Die therapeutische Wirksamkeit sei aber nicht abschließend nachgewiesen. Es handelt sich um Tabletten oder Dragees mit einem definierten Trockenextrakt aus der Baldrianwurzel von mindestens 300 mg oder einer Kombi aus Trockenextrakten von Baldrianwurzel und Hopfenzapfen. Von einem Wirkeintritt ist erst nach zweiwöchiger Einnahme auszugehen. Andere Kombinationspräparate, zum Beispiel mit Melisse, Johanniskraut oder Passionsblume, seien in klinischen Studien kaum oder gar nicht untersucht. Die neun bewerteten Tees hält Warentest dagegen für wenig geeignet. Immerhin fanden die Gutachter darin keine oder kaum Pestizide oder Pyrrolizidin- oder Tropanalkaloide. Und das Ritual eines «Gute-Nacht-Tees» könne beruhigen, räumt Stiftung Warentest ein.

Von Melatonin-haltigen Produkten in der Selbstmedikation rät die Stiftung ab. Die Tester finden, dass Produkte wie diese einer Arzneimittelzulassung unterzogen werden sollten, zumal Medikamente mit Melatonin in Deutschland rezeptpflichtig sind. Trotzdem fanden die Tester drei Präparate mit Dosierungen ab 0,5 Milligramm. Deklariert sind die Präparate als Nahrungsergänzungsmittel. Die Wirkung von Melatonin-Vorstufen wie den Aminosäuren Tryptophan oder 5-Hydroxytryptophan (5-HTP) sei nicht nachgewiesen.

Die Zeitschrift gibt zudem die üblichen Tipps zur Schlafhygiene. Wer länger als vier Wochen unter Ein- und/oder Durchschlafstörungen leidet, sollte zum Arzt gehen. Dieser kann kurzfristig Benzodiazepine oder Z-Substanzen verordnen. Hier hält Stiftung Warentest Brotizolam, Zolpidem und Zopiclon bei Einschlafstörungen und Lormetazepam und Temazepam wegen ihrer längeren Wirkdauer auch für Durchschlafstörungen für geeignet. Da sie schnell abhängig machen, sollten sie maximal vier Wochen eingenommen und ausschleichend abgesetzt werden. (dh)

 

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Benzodiazepine: Nach vier Wochen sollte Schluss sein, Meldung vom 23.05.2018

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27.06.2018 l PZ

Foto: Fotolia/PhotoSG