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Palliativpatienten: Notfälle zu Hause gut lösen

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Treten bei Palliativpatienten, die zu Hause oder in einem Heim leben, Notfälle auf, werden viele ins Krankenhaus eingeliefert, obwohl dies oft vermeidbar wäre. Als typische Notfälle bei Palliativpatienten nannte der Augsburger Palliativmediziner Eckhard Eichner Schmerzen, Atemnot (Todesrasseln), Übelkeit und Erbrechen, Unruhe, Angst und Verwirrtheit sowie Blutung. Daraus resultieren die «Big five» der Palliativmedikation: Morphin beziehungsweise Opioide und Nicht-Opioid-Analgetika, Lorazepam, Haloperidol, Butylscopolamin und Dexamethason. Diese Substanzen müssten – sofern sie der Patient nicht bereits vor Ort hat - zeitnah durch Rezeptierung des Bereitschaftsdienstes und durch Bevorratung in der Apotheke zum Patienten kommen, forderte der Anästhesist beim Bayerischen Apothekertag.

 

«Unser Anspruch ist es, die medikamentöse Versorgung von Palliativpatienten am jeweiligen Lebensort, zum Beispiel zu Hause oder im Alten-/Pflegeheim, so zu organisieren, dass ein Verbleiben dort trotz Notfall möglich ist», berichtete der Vorsitzende der Augsburger Hospiz- und Palliativversorgung e.V. (AHPV). Dazu haben der AHPV, die Bayerische Landesapothekerkammer, der Ärztliche Kreisverband Augsburg und der Bayerische Hausärzteverband 2017 gemeinsam Arbeitshilfen erstellt.

 

Eine Arbeitsgruppe erarbeitete auf Basis des § 15 Apothekenbetriebsordnung (Vorratshaltung) eine Liste mit Substanzen und Darreichungsformen, die sie für die rein symptomatische Palliativtherapie für notwendig erachtet. Im zweiten Schritt wurde die Liste mit den weiteren Projektpartnern abgestimmt. Die Liste umfasst neun Substanzen in zehn Darreichungsformen, darunter drei Opioide in vier Arzneiformen.

 

«Hier geht es um die Notfallversorgung, nicht um einer Dauertherapie», betonte Eichner. «Es ist uns bewusst, dass wir damit nicht alle Notfälle lösen werden. Wir wollen aber einen Gutteil der vermeidbaren Krankenhauseinlieferungen verhindern.» Ziel sei die zeitnahe Linderung der Symptome vor Ort.

 

Die Liste ist sowohl im Kitteltaschenformat als auch als Folder zum Aufhängen verfügbar und wurde an alle Apotheken in Stadt und Landkreis Augsburg sowie im Landkreis Aichach Friedberg und an mehr als 1000 Bereitschaftsdienst und Notarztdienst leistende Ärzte in der Region Augsburg verteilt, ebenso in Alten- und Pflegeheime. Sie ist erhältlich unter www.ahpv.de (bmg)

 

08.06.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Viacheslav Iakobchuk