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Ocrelizumab: Gute Bewertung mit Wermutstropfen

Ocrelizumab (Ocrevus®), ein neuer Antikörper, der zur Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) eingesetzt wird, ist vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung positiv beurteilt worden − mit einer Einschränkung. Das IQWiG konnte in zwei Patientensubgruppen einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie erkennen, nämlich bei Patienten mit nicht hochaktiver, schubförmiger Erkrankung (RMS), die unter 40 Jahre alt sind (Beleg), und bei Patienten, die trotz krankheitsmodifizierender Therapie unter hochaktiver RMS leiden (Hinweis). Für Patienten ab 40 mit nicht hochaktiver RMS ergab sich ein Beleg für einen geringen Zusatznutzen.

 

Bitter für Hersteller Roche dürfte allerdings sein, dass das IQWiG bei Patienten mit früher primär progredienter MS (PPMS) nicht nur keinen Zusatznutzen feststellte, sondern sogar einen Hinweis auf einen geringeren Nutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie, in diesem Fall bestmögliche unterstützende Behandlung (BSC). Roche hatte im Zusammenhang mit der Markteinführung besonders herausgestellt, dass Ocrevus das erste zugelassene Medikament zur Behandlung von Patienten mit PPMS ist. Das IQWiG kommt jedoch zu der Einschätzung, dass Ocrelizumab hinsichtlich der Krankheitsprogression keinen signifikanten Vorteil bringt, jedoch häufiger Reaktionen im Zusammenhang mit der Infusion auslöst. Somit steht für das Institut unter dem Strich eine negative Bilanz.

 

Ocrelizumab ist ein Antikörper, der gezielt an das Oberflächenprotein CD20 auf B-Zellen bindet. Dadurch werden B-Zell-vermittelte entzündungsfördernde Prozesse abgeschwächt. Das Arzneimittel wird als Infusion alle sechs Monate gegeben. Infusionsbedingte Reaktionen wie Juckreiz, Hautausschlag, Rachenreizung, Atemnot, Flush, Hypotonie und Tachykardie sind eine wichtige Nebenwirkung. Um diese zu vermeiden, werden die Patienten vor der Infusion mit einem Corticosteroid und einem Antihistaminikum prämediziniert. (am)

 

Wirkstoffprofil Ocrelizumab|Ocrevus®|51|2018 in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe 

 

03.05.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Visual Concepts