Milch: Krankmacher oder Lebenselixier? |

Milch liefert wertvolles Eiweiß, Vitamine und mehr Kalorien als Cola: Milch ist eine ziemlich gehaltvolle Flüssigkeit, weshalb Ernährungswissenschaftler sie zu den Nahrungsmitteln, nicht zu den Getränken zählen. Laut Nachrichtenagentur dpa verzehren die Deutschen davon 83,7 Kilogramm pro Jahr – Milchprodukte mit eingerechnet. Das entspricht etwa 230 Gramm pro Tag, also etwa einem Glas Milch oder einem Päckchen Quark.
Bedenkenlos trinken könne man H-Milch und Frischmilch, aber keine Rohmilch. Diese darf nur in Ausnahmefällen in Deutschland verkauft werden, denn durch den Konsum von Rohmilch kann man sich unter anderem mit Typhus- und Diphtherie-Erregern, mit Salmonellen und EHEC infizieren. Gekaufte Rohmilch selbst abkochen lohnt sich nach Angaben der dpa im Übrigen nicht: Sie verliert dadurch mehr Vitamine, sodass sie weniger enthalten als Frisch- oder H-Milch.
Von den beiden Letzteren enthalte ultrahocherhitzte Milch, auch H-Milch genannt, wiederum etwas weniger Vitamine als Frischmilch. Der Unterschied betrage im Durchschnitt aber nur ein paar Prozent, so die dpa weiter. Frischmilch ist im Übrigen keine rohe Milch: Sie wird nach dem Melken pasteurisiert, also auch wärmebehandelt, nur eben nicht bei so hohen Temperaturen wie H-Milch. Die Vitamine A, D, E, B2 und B5 blieben bei beiden Verfahren fast vollständig erhalten. Mit Ausnahme von Vitamin C: Dessen Gehalt liege bei Frischmilch um bis zu 20 Prozent höher als bei H-Milch, so die dpa. Der größte Vitamin-C-Killer sei dabei nicht die Haltbarmachung, sondern eine lange Lagerzeit.
Milchkonsum kann vor manchen Krebsarten schützen, andere wiederum fördern sie. Milchtrinker erkranken Studien zufolge seltener an Dickdarmkrebs. Andere Untersuchungen zeigten aber auch, dass Männer umso häufiger Prostatakrebs bekommen, je mehr Milch sie trinken. Ernährungswissenschaftler empfehlen Männern deshalb einen moderaten Milchkonsum.
Hinsichtlich Osteoporose liefert Milch zumindest Kalzium, das sich positiv auf die Knochendichte auswirkt. Vor allem in jungen Jahren sei es wichtig, genug Kalzium zu sich zu nehmen, heißt es bei der dpa. Mehrere Untersuchungen deuteten zudem darauf hin, dass Milch das Wachstum bei Kleinkindern und Jugendlichen fördert. Das gelte allerdings nur für Milch, nicht für Milchprodukte. Forscher errechneten, dass 245 Milliliter Milch pro Tag zu mehr Längenwachstum von 0,4 Zentimetern pro Jahr führt.
Bei der Diskussion, ob Milch für den Menschen eher ungeeignet ist, weil sie ja für Kälber gedacht ist, gilt laut dpa: Milch trinken ist unbedenklich, sofern man Laktose verträgt. Das Argument, dass Milch nicht für den Menschen gemacht ist, ließe sich ja auf jedes natürliche Nahrungsmittel übertragen. Auch Nüsse und Bohnen, Äpfel und Tomaten seien von den Pflanzen nicht für den menschlichen Verzehr entwickelt worden,.
Milch gut verdauen kann übrigens weltweit nur eine Minderheit der Menschen. Je nach Schätzung produzieren zwei Drittel bis 90 Prozent der Weltbevölkerung nicht genug von dem Enzym Laktase, mit dem der Körper den Milchzucker verdaut. Trinken sie dennoch Milch, können Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit die Folge sein. In Deutschland leiden jedoch nur 7 bis 8 Prozent der Bevölkerung an dieser sogenannten Laktoseintoleranz.
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28.05.2018 l PZ/dpa
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