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Haarausfall: Substanz mit neuem Wirkmechanismus gefunden

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Ein experimenteller Wirkstoff, der ursprünglich zur Osteoporose-Behandlung entwickelt wurde, lässt als Nebenwirkung die Kopfhaare sprießen. Britische Wissenschaftler konnten zeigen, wie die Substanz mit dem Kürzel WAY-316606 die Haarfollikel stimuliert. Bevor sie auf diesen Wirkstoff stießen, hatten die Forscher um Dr. Nathan Hawkshaw von der Universität Manchester zunächst untersucht, wieso Ciclosporin A das Haarwachstum anregt – eine meist ungewollte, lang bekannte Nebenwirkung des Immunsuppressivums.

Dazu behandelten sie Haarfollikel der Kopfhaut zunächst mit Ciclosporin A und führten anschließend eine Genexpressions-Analyse durch. Dabei stellten sie fest, dass das Immunsuppressivum die Expression von SFRP1 reduziert. Das sogenannte Secreted Frizzled-Related Protein 1 wiederum inhibiert die Entwicklung und das Wachstum vieler Gewebearten – auch der Haarfollikel. Dieser Wirkmechanismus von Ciclosporin sei bislang nicht bekannt gewesen und vollkommen unabhängig von den immunsuppressiven Mechanismen, schreiben die Forscher im Fachmagazin «PLoS Biology». Daher sehen sie in der Inhibition von SFRP1 einen neuen, vielversprechenden Ansatz in der Therapie der Alopezie.

Als sie nach entsprechenden Substanzen in Moleküldatenbanken suchten, stießen sie auf WAY-316606. Es wirke ebenso wie Ciclosporin A als SFRP1-Hemmer, allerdings ohne das Immunsystem zu unterdrücken oder nephro- und hepatotoxisch zu wirken. In vitro ließ sich ein Haarwachstum-stimulierender Effekt an gespendeten menschlichen Haarfollikeln nachweisen. Die Forscher hoffen nun, dass die Substanz oder ähnliche Moleküle extern auf die Kopfhaut aufgetragen eine Alternative zu den verfügbaren Arzneistoffen Minoxidil und Finasterid sein könnte – eventuell wirksamer und nebenwirkungsärmer. Das müssen allerdings noch klinische Studien zeigen. (dh)

DOI: 10.1371/journal.pbio.2003705

 

15.05.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Africa Studio