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IL-17A-Hemmer: Verdacht auf entzündliche Darmerkrankungen

 

Hemmstoffe des Interleukin-17A-Signalwegs wie Secukinumab, Ixekizumab und Brodalumab könnten die Entstehung oder das Fortschreiten einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED) begünstigen. Darauf deuten Daten aus klinischen Studien, Tierversuchen und Spontanmeldungen hin, berichtet heute die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). Anlass ist der Fall eines 29-jährigen adipösen Psoriasis-Patienten, bei dem unter Secukinumab- eine CED diagnostiziert wurde. Vermutlich handelt es sich um einen Klasseneffekt von Anti-IL-17A-Antikörpern: Secukinumab (Cosentyx®) und Ixekizumab (Taltz®) bindendirekt an IL-17A ; Brodalumab blockiert den IL-17A-Rezeptor (Kyntheum®).

 

IL-17 spielt bei der Immunabwehr von Bakterien und Pilzen an Körpergrenzflächen eine wichtige Rolle, ist jedoch auch an der Entstehung verschiedener Autoimmunreaktionen beteiligt. Demzufolge wirkt eine IL-17-Reduktion bei Schuppenflechte, Psoriasis-Arthritis und Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis) immunsuppressiv. Aus klinischen Studien weiß man aber auch bereits, dass es unter Secukinumab und Brodalumab zu Exazerbationen von bestehenden Morbus-Crohn-Erkrankungen kommen kann. Auch im Mausmodell verschlimmerte eine IL-17A-Blockade eine Kolitis. «Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass ohne IL-17 die Barrierefunktion der Schleimhaut im Darm geschwächt wird und es zu einer verstärkten Entzündungsreaktion kommt», schreibt die AkdÄ.

 

Ob ein Kausalzusammenhang zwischen einer Verschlechterung oder fraglichen Erstmanifestation einer CED besteht, sei schwierig zu bewerten. So haben Psoriasis-Patienten per se ein erhöhtes CED-Risiko gegenüber der Normalbevölkerung – je schlimmer die Schuppenflechte, desto größer das CED-Risiko. IL-17A-Blocker kommen in der Regel erst bei schweren Psoriasis-Verlaufsformen zum Einsatz. Plausibel wäre ein ursachlicher Zusammenhang zwar, doch fehlten noch größere Datenmengen. Insgesamt wird das Risiko für diese Nebenwirkung bislang als eher niedrig eingestuft (weniger als 1 Prozent der Behandelten).

 

Trotzdem rät die AkdÄ zur Vorsicht: Bei einer bekannten, vorbestehenden CED sollte eine Behandlung mit einem Anti-IL-17A-Antikörper nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung im Einzelfall erfolgen. Der Patient muss vor der Verordnung über entsprechende Symptome wie häufige Durchfälle, Blut im Stuhl und Bauchschmerzen befragt und aufgeklärt und dahingehend engmaschig überwacht werden. Brodalumab ist sogar kontraindiziert bei Patienten mit Morbus Crohn. Besteht der Verdacht auf eine bislang nicht diagnostizierte CED, sollte eine entsprechende Diagnostik erfolgen.

 

Eine CED kann auch durch eine andere, vorangegangene immunsuppressive Therapie wie Fumarsäure bislang maskiert und unerkannt mitbehandelt worden sein. Wird dann die Psoriasis-Medikation gewechselt, könnte die CED deutlich zu Tage treten. Im vorliegenden Fall wurde Secukinumab abgesetzt, der Patient mit Prednisolon behandelt und in Rücksprache mit dem Dermatologen auf den TNF-α-Blocker Adalimumab umgestellt. (dh)

 

Lesen Sie dazu auch die Wirkstoffprofile Brodalumab|Kyntheum®|51|2017Ixekizumab|Taltz®|51|2017Secukinumab|Cosentyx®|51|2015 in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe

 

Zur Bekanntgabe im Deutschen Ärzteblatt: 
https://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/Bekanntgaben/Archiv/2018/20180406.html

 

09.04.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Adiano